30.10.2008

Braucht es in Bern eine zweite Drogenanlaufstelle – und wie gehen wir generell mit Randständigen um? (21)

Die Drogenanlaufstelle an der Hodlerstelle ist stark belastet. Auch in zweifacher Hinsicht, gilt doch das Dreieck von Bollwerk, Reitschule und Drogenanlaufstelle für viele Bernerinnen und Berner als “No-Go”-Gebiet. Seitens der Fürsorgedirektion möchte man nun an der Murtenstrasse eine zweite Drogenanlaufstelle einrichten.

Gemäss dem Betriebsmodell des Contact-Netzes sollen die Drogensüchtigen an der Hodlerstrasse von 13.30 bis 20 Uhr und an der Murtenstrasse von 18.00 bis 23.00 Uhr betreut werden.

Wie die Tageszeitungen heute berichten, stellt der Kanton das Projekt “Murtenstrasse” grundsätzlich in Frage. Der Entscheid für oder gegen die zweite Drogenanlaufstelle soll bis Ende Jahr gefällt werden.

Stadtrat Roland Jakob (svp) schlägt vor, dass die bestehende Drogenanlaufstelle und das Alkistübli gemeinsam an einem Standort betrieben werden – hinter dem Neufeld-Parking. Ein entsprechender Vorstoss wird heute Abend im Stadtparlament eingereicht. Das würde die Quartiere entlasten ud Synergien schaffen, schreibt Jakob.

Was ist Ihre Meinung?

- Braucht es eine zweite Drogenanlaufstelle?
- Falls Ja, wohin gehört sie?
- Macht es Sinn, in die Liegenschaft an der Murtenstrasse 70′000 Franken zu intestieren, obwohl sie in voraussichtlich zwei Jahren abgerissen wird?
- Was halten Sie vom faktischen Zusammenlegen von Drogenanlaufstelle und Alkistübli?

Wir können diese Fragen auch in einem grösseren Kontext diskutieren, z.B. wie gehen wir generell mit Randständigen um?Daylight video Tigerland S1m0ne rip King of New York movies

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Letzte Kommentare

Der Vorschlag von Stadtrat Roland Jakob leuchtet mir ein, meine Zustimmung hat er. Der Standort Bollwerk war von Anfang an wegen der Nähe zur Reitschule ungeeignet.

Wie kann man auf die Idee kommen, an der Murtenstrasse, in einem baufälligen Haus für kurze Zeit 70′000 Franken zu verlochen? Wahrscheinlich würde dann die EH Insel zum Handelsplatz.

Wohin die Drogenabgabestellen gehören, ist schwer zu sagen, niemand will sie. Nach den Versprechungen, die uns vor Einrichtung dieser Stellen gemacht wurden, sollten diese gar nicht mehr nötig sein. Wurden sie doch zur Gesundung sowie der Wiedereingliederung dieser armen kranken Menschen eingerichtet. Wieso braucht es jetzt noch eine zusätzliche Stelle?

Damals wie heute ist mir ein Rätsel, wie Sucht mit Suchtmitteln erfolgreich bekämpft werden kann. Alle wissen, wie gefährlich solche Dinge sind.

Doch es gibt immer mehr die glauben, diese Drogen auch selbst versuchen zu müssen. Weit gebracht haben wir es.

@ Paul Rohner

Ich kann den Vorschlag von Herrn Jakob, den Sie unterstützen, schlicht nur vehement zurück weisen.

1. Es ist menschenverachtend, randständige Menschen an den Rand des Siedlungsgebietes (hinter Neufeldparking) zu verfrachten und Alkis und Drögeler zu vermischen. Sie gehören zu unserer Gesellschaft und wir müssen Ihre Anwesenheit auch tolerieren, wenn es gegen unsere eigene Grundhaltung geht. Jeder Mensch geht einen anderen Weg durchs Leben. Einige wählen dabei leider einen selbstzerstörerischeren Weg. Es geht nicht an, sie deswegen nicht anzunehmen.

2. Und das tun diejenigen nicht, die solche Vorschläge machen. Dazu kommt die Forderung nach geschlossenen Therapieplätzen. Auch hier muss ich nein sagen. Es gibt Menschen, die werden nie ohne Suchtmittel sein können. Dadurch, dass Ihnen aber der Stoff legal abgegeben wird, wird der Schaden vermindert. Ihr Leben wird etwas ruhiger, Beschaffungskriminalität wird vermindert. Jemanden zu zwingen, eine Therapie zu machen, gelingt ausserdem schlicht nicht. Herr Rohner, glauben Sie mir, ich habe berufliche Erfahrungen mit Süchtigen.

@ Paul Rohner

Sie sagen es ganz richtig: Niemand will die Anlaufstelle bei sich in der Nähe haben. Gleichzeitig suchen die Süchtigen meist das Zentrum einer Stadt auf. Was ist also naheliegender, als die Anlaufstelle nahe des Zentrums zu plazieren? Beim Neufeld wären die Anwohner der Länggasse kaum begeistert.

Das Bollwerk hingegen ist gar nicht ungeeignet. Wer darunter leidet ist nur die Reitschule. Und hier ist die Stadt aufgefordert, der Reithalle das Kuckucksei Drogenanlaufstelle nicht nur einfach ins Nest zu legen, sondern auch zu helfen bei den Schwierigkeiten. Stattdessen wird die Reitschule dauernd kritisiert – wohl weil sie nun mal “linke” Kultur bietet.

Die Drogenanlaufstelle ist aber heillos überlastet. Deshalb braucht es eine zweite Stelle, mitfinanziert vom Kanton. Viele Abhängige kommen nämlich nicht aus der Stadt selber. Der Ort an der Murtenstrasse mag nicht die Ideallösung sein, dürfte aber in Anbetracht der Schwierigkeiten ein gangbarer Weg sein.

Nur über die Suchtproblematik zu motzen ist einfach. Konstruktive Lösungen sind gefragt. Suchtprobleme wird es immer geben – auch in der heilen Schweiz und im schönen Bern.

@ Silvia Schoch-Meyer

Ich nehme Ihnen gerne ab, dass Sie berufliche Erfahrung mit Drogen kranken Menschen zu tun haben.

Habe ich aber praktischerweise auch. Vor ca. 25 Jahren habe ich das Buch “Wir Kinder vom Bahnhof Zoo” gelesen. Kurz darauf habe ich mich als sogenannter Spiesser, mit einer seit 13 Jahren heroinsüchtigen Frau befreundet. Ich habe ihr eine familiäre Atmosphäre bieten können.

Fragen sie mich nicht, was es von dieser Frau verlangt hat, trocken zu werden. Sie hat es geschafft, konnte sogar noch Mutter eines Kindes werden. Spätfolgen in Form von Aids haben ihrem Leben ein Ende bereitet.

Eine Sozialfürsorgerin hat es mir – vielleicht als Dank – vor der Abreise ins Lighthaus in Zürich untersagt, mich noch von ihr zu verabschieden.

@ David Stampfli

Da Sie ja offensichtlich in der Länggasse wohnen und sich sicher auch ganz toll für dieses Quartier einsetzen, habe ich volles Verständnis für Ihre obgenannte Aussage.

Noch einmal: Die gesamten Drogenentzugs-Bemühungen der SP, haben nicht den Erfolg gebracht, der den Bürgern vorgegaukelt wurde. Sonst wäre die Anlaufstelle am Bollwerk nicht hoffnungslos überlastet.

Spitäler schliesst man, frisch Operierte schickt man nach Hause. Super.

@ Paul Rohner

Ich bin in der Länggasse aufgewachsen und deshalb in dieser Sektion. Aber ich wohne nun im Lorrainequartier. St. Florian können Sie mir wohl schwerlich vorwerfen, ich fahre täglich mehrmals an der Drogenanlaufstelle vorbei.

Die “Bürger” wollen eben einfach nicht wahrhaben, dass es eine Drogenproblematik gibt. Am liebsten hätten diese es, man würde das Problem totschweigen und die Drogenkranken wegsperren.

Die SP hatte und hat den Mut (und fühlt sich auch verpflichtet) hier nicht wegzuschauen. Das bringt zwar keine Wählerstimmen und wenig Symphatien. Aber es geschieht dafür aus der Überzeugung, dass alle Menschen Platz haben in unserer Gesellschaft.

Die Anlaufstelle Hodlerstrasse ist überlastet, weil es zuwenig solcher (wichtigen) Anlaufstellen gibt. Wir liegen schon richtig, aber es braucht eben mehr. Sprich: eine zweite Anlaufstelle.

Genau solche Sätze wie mit den Spitälern werden gerne zur Hetze gegen Drogensüchtige verwendet. So im Stil: “die bekommen alles und haben ein super Leben, und der ach so brave Bürger nicht.” Das stimmt nicht! Ein Leben als Süchtiger ist furchtbar, das sollten Sie mit dieser Erfahrung ja wissen. Aber: es ist eben immer schlimm!

a) Der Neufeld-Vorschlag von Herrn Jakob wäre ja prinzipiell zu diskutieren, hätte er nicht so einen schalen Nachgeschmack:

- Die Murtenstrasse ist nicht wesentlich zentraler und auch nicht eher ein Wohnquartier als das Neufeld. Wird mit diesem Ort argumentiert, drängt sich der Verdacht auf, dass es Herrn Jakob nur darum geht, die Anlaufstelle an sich abzuschiessen, im Wissen, dass eine Neu-Evaluation mit Standort Neufeld erneut viel Zeit beanspruchen würde.
- Wer Alkis und Junkies in denselben Topf schmeisst und sie am gleichen Ort versorgen will, diskreditiert sich in der Drogen- und Suchtpolitik gehörig.
- Und weshalb man das Alkistübli überhaupt noch in die Diskussion bringt, ist mir nun wirklich schleierhaft – die jetzige Lösung belastet weder Anwohner noch Gewerbetreibende noch Pendler und wird von den Süchtigen selber akzeptiert.

@ David Stampfli

Den St. Florian haben Sie sich leider wirklich selber eingebrockt mit ihrer Aussage, dass die Schützenmatte soviel besser sei als das Neufeld mit den Anwohnern.

Ich wohne in der Aarbergergasse – neben der Schütz/Hodlerstrasse, der Grossen Schanze und der Münstergasse einer der Orte mit dem grössten Druck von seiten der Drogenszene (insbesondere Kleindeal).

In der Aarbergergasse wehrt man sich nicht gegen die Junkies oder die Drogenszene generell. Wir stellen aber fest, dass sich drei der vier städtischen Hotspots in unserer direkter Umgebung befinden und sind der Meinung, dass die Stadt etwas tun muss, um die Szene auf mehrere Standorte zu verlagern, wodurch der Druck an den einzelnen Orten geringer wird.

Weshalb sich SVP und FDP hier den Bedürfnissen und Forderungen des Innenstadt-Gewerbes derart verschliesst, ist mir unverständlich.

@ Stefan Mueller

Ihrem ersten Statement kann ich nur zustimmen.

St. Florian: Wie gesagt, ich wohne gar nicht in der Länggasse, sondern etwa gleich nah wie Sie (vordere Lorraine).

Die geplante Stelle an der Murtenstrasse ist sehr nahe bei der Länggasse, dennoch sage ich nichts dagegen, obwohl ich “Quartiervertreter” bin.

Ich bin auch der Meinung, dass es weitere Standorte braucht. Aber Sie sollten dennoch nicht mitten in einem Quartier sein (egal ob Länggasse oder sonst wo). Wir müssen uns wohl schon damit zufrieden geben, wenn zumindest einen weiteren Standort gibt. Denn Einsprachen sind überall zu erwarten.

Abschliessend: ich sage nicht, dass der Standort Hodlerstrasse das Nonplusultra ist. Aber wahrscheinlich eine viel bessere Lösung, als an vielen anderen Orten.

@ Paul Rohner

Danke, ich nehme Ihnen diese praktische Erfahrung durchaus ab und es ehrt Sie, dass Sie sich um diese Frau gekümmert haben.

Der Begriff Sozialfürsorgerin ist übrigens etwas überholt. Ich wäre Ihnen dankbar wenn Sie von Sozialarbeiterinnen und Sozialpädagogen schreiben würden. Warum? Ich stelle immer wieder fest, dass mein Berufsstand abgewertet wird. Unglaublich, viele wissen genau, wie ich meinen Job auszuüben hätte, einfach nicht so wie ich es tue. Dazu sind Sozialarbeiter sowieso viel zu sehr Gutmensch. Dem ist schlicht nicht so. Tut mir leid, muss ich das loswerden. Es nervt als Berufstätiger einfach oftmals ziemlich stark. Nun bin ich vom Thema abgewichen.

Herr Rohner, haben Sie gestern den Artikel im “Bund” gelesen über das Ehepaar, dass dank Heroinabgabe ein einigermassen geregeltes Leben führt? War ein treffendes Beispiel. Abstinenz ist schlicht nicht immer bzw. oft noch nicht zu erreichen. Wenn Sie jemanden dazu mit Druck bewegen wollen, bringt es sie nicht weiter. Vielleicht würden sie sogar die Abstinenz erreichen. Aber fünf Minuten nach der Entlassung wäre es schon wieder passiert. Die Macht der Drogen ist immens!

Anlässlich einer Einladung des Contact Netzes wurde ich mit der Überlastung der Drogenanlaufstelle konfrontiert.

Ich gebe unserem Stadtrat Roland Jakob in dem Punkt Recht, dass wir die Verlegung der Drogenanlaufstelle ausserhalb der Stadt forcieren müssen. Dies liegt auch daran, dass die Anlaufstelle an der Hodlerstrasse denkbar ungünstig neben dem grössten Drogenumschlagplatz der Stadt Bern, dem Reithallenvorplatz liegt.

Die neue Anlaufstelle soll jedoch ein anderes Modell aufweisen. Gemeinsam mit den anderen jungbürgerlichen Parteien haben wir vor einiger Zeit ein Postulat zur Errichtung eines Drogenauffangzentrums eingereicht. Ziel dieser Einrichtung soll es sein, die Süchtigen in die Gesellschaft zu reintegrieren. Dies soll durch einen geregelten Tagesablauf und der damit verhinderten Rückkehr ins Milieu erreicht werden.

Nur durch diese Massnahme kann es uns gelingen, die Suchtproblematik zu beheben.

@ Reto Kropf

Klar, das ist angenehm: Verlagern wir die Probleme einfach an den Stadtrand – aus den Augen, aus dem Sinn.

Drogenumschlagplatz: Ich möchte gar nicht wissen, was in gewissen Etablissements oder Chefetagen noch umgesetzt wird.

Abgesehen davon: Der Drogenumschlagplatz vor der Reithalle ist wegen der Anlaufstelle dort und nicht umgekehrt. Überall wo es Drogenkonsum gibt, hat es auch Drogendeal. Die Reitschule ist nicht der Grund für den Drogendeal.

Abschliessend bin ich sehr gespannt auf ihr neuartiges Drogenauffangzentrum. Wahrscheinlich ist das ein hübscher Papiertiger für den Wahlkampf. Wenn es konkret wird, werden Sie wie immer keine Mittel sprechen wollen!

@ David Stampfli

Ich muss Sie enttäuschen. Sie können bei den Parlamentsdiensten nachschauen, wann der Vorstoss eingereicht wurde. Dies geschah weit vor Wahlkampfzeiten.

Nicht nur im Wahlkampf sind konstruktive Ideen erlaubt.

@ Reto Kropf

Ich glaube Ihnen gern. Aber wie gesagt, ich freue mich darauf, dass Sie und Ihre Partei Geld für die “bösen” Drogenabhängigen sprechen werden.

Bürgerliche Politik zeichnet sich nun einmal durch eine restriktive Finanzpolitik aus. Wer auf einem Schuldenberg sitzt, muss sich stets überlegen, welche Investitionen er tätigen will.

Die Gesundheit der Bevölkerung sowie die Bildung sind wohl unbestritten wichtig für die allgemeine Lebensqualität. Wer mehr ausgeben will, muss jedoch auch irgendwo sparen. In dieser Hinsicht zeigt sich die RG(M ist nicht vorhanden) nicht sehr diskussionsbereit. Erklären Sie doch dem Stimmvolk, weshalb Sie mehr als 30 Millionen für Kultur ausgeben, wobei es Kulturbetriebe wie die Reitschule gibt, die sich nicht an die Vereinbarungen mit der Stadt halten oder erklären Sie mir, wie es die RG-Mehrheit geschafft hat, die Ausgaben im Sozialhilfebereich zu erhöhen, während in Bern nicht mehr Menschen leben.

Sie geben folglich mehr Geld für weniger Menschen aus, ein Widerspruch in sich, wobei Sie nicht einmal in der Lage sind, den Sozialhilfemissbrauch wirkungsvoll zu bekämpfen, sondern diesen zuerst noch abstreiten.

@ Reto Kropf

Wie vermutet wollen Sie eben doch nichts ausgeben für die Drogenabhängigen.

Die Mitte ist sehr präsent. GFL und EVP stimmen regelmässig – aus guten Gründen – mit uns. Wir wollen einfach nicht dort sparen, wo es dringend Mittel braucht.

Kultur: Der Grossteil geht an Stadttheater, Paul-Klee-Zentrum, Museen und Orchester. Sind Sie da dagegen? Der Beitrag für die Reithalle ist vergleichsweise marginal. Die Reithalle als Institution braucht es. Das sagt sogar Bernhard Eicher.

Die Bevölkerung in Bern hat wieder zugenommen. Aber das spielt keine Rolle. Vielleicht hat es einfach mehr Bedürftige gegeben. Aber ich weiss: In Ihrer Partei sind alle armen Leute automatisch Schmarotzer, diees zu brandmarken gilt. Wie symphatisch!

Ich belasse Sie in Ihrem starren Weltbild. Ein Fünftel der Stadt Bern zahlt bereits keine Steuern, dennoch will die Stadt weiter vor allem im Sozialbereich Wohnungen schaffen, während das Gewerbe abwandert. Ohne Steuereinnahmen gibt es kein Geld oder möchten Sie wieder einmal Gebühren und Abgaben erhöhen? Ups, die Parkkartengebühren wurden sogar erst kürzlich vom Volk abgelehnt.

Die politische Blockbildung nervt mich wohl ähnlich wie Sie. Dennoch stelle ich fest, dass ich es mit einem Sozialdemokraten zu tun habe, der die Bürgerlichen wohl als überflüssig erachtet. Uns bleibt ja vorderhand noch die Mehrheit in der Eidgenossenschaft.

Ihnen wünsche ich dennoch viel Erfolg in Ihrem Wahlkampf.

@ Reto Kropf

Das starre Weltbild verkörpern wohl eher Sie. Sie machen ja Bern nieder, wo es nur geht. Sie glauben hinter jedem Sozialhilfebezüger oder Arbeitslosen stecke ein Schmarotzer. Sie vermuten in jedem Ausländer oder Secondo einen Verbrecher. Wenn sich die Sozialdemokraten gegen ein solches Bild wehren, heisst es sofort wir würden alles verharmlosen. Das tun wir nicht. Wir wissen auch, dass betrogen wird. Und wir wollen auch, dass Betrug bestraft wird. Aber wir wollen keine Verallgemeinerungen.

Zum Glück haben Sie nicht die Mehrheit in der Eidgenossenschaft. FDP und CVP sind zwar sehr oft auf Ihrer Seite, aber lange nicht immer.

Wie gesagt: Die Stadt stellt die sozialen Möglichkeiten zur Verfügung, die nötig sind. Natürlich kostet das. Aber eine Stadt hat eben auch andere Probleme als Herrliberg.

@ David Stampfli

Das gute an der Geschichte unseres Landes, unseres Kantons und unserer Stadt ist, dass wir beide keinen Anspruch auf die absolute Wahrheit erheben können. Hätte sich allein das Bürgertum oder die Sozialdemokratie als vollkommene Lösung präsentiert, so hätten wir möglicherweise nicht einmal Drogensüchtige.

Unser System zeigt, dass es Menschen wie Sie und mich braucht, damit wir gemeinsam einen Schritt in die richtige Richung gehen können. Diese Richtung zeigt in die Zukunft und strebt nach der objektiven Wahrheit, die wir allein durch unsere subjektive Ansicht niemals erreichen werden.

@ David Stampfli

Wir von der SVP sehen nicht hinter jedem Sozialhilfebezüger, Arbeitslosen, Ausländer (Secondos sind eben auch noch welche), und dies sehe ich wirklich nicht negativ, einen Schmarotzer. Die SVP wehrt sich richtigerweise nur gegen die wirklichen Profiteure unseres geliebten Vaterlandes.

Da sind wir uns schlussendlich einig, wenn auch Sie nicht alle verurteilen, was die SVP schon lange tut. Ich habe noch nie gelesen, dass die SVP alle Obgenanten als Schmarotzer betitelt hat.

Eine Ihrer Politikerinnen – gerne liefere ich den Namen nach – hat vor Jahren alle Männer, auch mich wie Sie, als potenzielle Vergewaltiger betitelt. Dies sind wir als Männer leider auch. Wir beide, und das bin ich überzeugt, haben uns in dieser Sache nichts vorzuwerfen. Genau so ist es.

Nehmen Sie und ihre Gleichdenkenden Parteifreunde endlich einmal zur Kenntnis: Auch wenn Sie einer Gebetsmühle gleich uns immer dasselbe vorwerfen, wirds nicht richtiger.

Übrigens: Denkende Bürger haben beim Freudengeschrei aus Anlass des Rauswurfes von Bundesrat Blocher sicher nicht so unanständig applaudiert, wie einige Ihrer Gleichgesinnten. In solchen Momenten zeigt der Mensch sein wahres Gesicht.

@ Reto Kropf

Wie wahr! Aber Drogensüchtige würde es wohl auch in einem Einparteienstaat geben. Das gehört leider zu unserer Gesellschaft. Glauben Sie mir, ich finde das auch nicht toll! Und die Süchtigen am Allerwenigsten.

@ Paul Rohner

Es hat sich einfach gezeigt, dass führende Exponenten der SVP stark zur Ausländerfeindlichkeit neigen. Dazu kommen alle die Vorlagen, die pauschal Ausländer verurteilen und brandmarken. Sie dürfen nicht erstaunt sein, wenn dann solche Vorwürfe kommen. Ihre Partei verunglimpft eben gebetsmühlenartig Menschen, die nicht der Norm entsprechen: Ausländer, Sozialhilfempfänger, Arbeitslose, usw.

Nachdem was Blocher vier Jahre lang angerichtet hat, war ein Aufschrei der Erleichterung logisch.

Die Herren Stampfli, Kropf und Rohner scheinen das eigentliche Thema wohl aus den Augen verloren zu haben. Was soll dieses einschläfernde Rechts-Links-Gezanke? Ich würde mir eine sachliche Auseinandersetzung mit den gestellten Fragen wünschen.

Die Nachteile des Standorts Murtenstrasse wurden bereits erwähnt. Was spräche denn gegen den Standort Neufeld? Auch wurde eingeworfen, dass die Zusammenlegung von Alki-Stübli und Junkies verwerflich sei. Warum denn?

Also: bitte mehr Argumente und keine Schlagworte. Und sicherlich keine Parteiprogramme.

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