11.11.2008

Nach dem tödlichen Unfall in Schönenwerd (SO): Wie sollen Raser bestraft werden? (31)

Volkes Seele kocht: Nach dem Unfall von Schönenwerd (SO) sind die drei 18-jährigen Raser bereits wieder auf freiem Fuss. Die beiden intakten Autos haben sie zurückerhalten. Beim Wettrennen des Trios wurde eine unschuldige 21-jährige Frau getötet.

Die Stiftung “RoadCross” fordert nun härtere Strafen für Raser. Andere verlangen, dass deren Autos verschrottet werden oder ihnen die Fahrausweise auf Lebzeiten abgenommen werden.

Durch den tragischen Raserunfall erhält das Massnahmenpaket “Via Sicura” des Bundesrats, das letzte Woche in die Vernehmlassung geschickt wurde, mehr Aufmerksamkeit. Drei der wichtigsten Punkte:

- Alkoholverbot für Neulenker
- Erhöhung der Motorfahrzeug-Haftpflichtversicherung um 4,25 Prozent
- Alkoholverbot für Berufschauffeure

Was halten Sie grundsätzlich von “Via Sicura”? Und: wie sollten Raser bestraft werden?

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Ich habe heute auf anderen Internetseiten bereits Diskussionen zu diesem Thema gelesen, die mir die (wenigen gebliebenen) Haare haben zu Berge stehen lassen. Ob “Agent Provocateur” oder reale Teilnehmer – der Grundtenor bei diesen Diskutanten lautete: “Dass es Tote gibt, ist ja schon schlimm” – aber man solle doch auch Verständnis haben für die Jungen und ihnen nicht grad alles verbieten!

Nein, ich habe kein Verständnis für Raser, keines für Menschen, die andere im Geschwindigkeitsrausch vorsätzlich töten und null Verständnis für das Bedürfnis, aus Mitmenschen lebenslängliche Krüppel zu machen!

Meine Forderungen:

- Wer einen andern Menschen mit dem Auto bei überhöhter Geschwindigkeit verletzt oder tötet, fährt nie wieder ein motorbetriebenes Fahrzeug!

- Die Tatwaffe solcher “Unfälle” wird eingezogen und verschrottet.

- Die Mindeststrafen für das Verletzen oder Töten von Menschen bei überhöhter Geschwindigkeit sind drastisch zu erhöhen. Keine bedingten Strafen in solchen Fällen!

- Öffnen einer Rennstrecke für Jugendliche, auf der das Raserbedürfnis befriedigt werden und gleichzeitig die Leute geschult werden können!

Ich hasse nicht Autos – ich liebe das Leben!

Eines vorne weg: Es geht hier nicht um eine heilige Kuh. Das Auto ist und bleibt ein Fahrzeug, um von A nach B zu gelangen. Dies ungeachtet aller Faszination von technischen Highlights wie Doppelkupplungs-Getriebe oder Hybrid-Antrieb sowie profaneren Bewunderungsgründen wie Motorenpower, optisches Tuning, Car-HiFi, Design etc.

Leider sind sich aber offenbar einige Herren nicht bewusst, was sie da tun. Es ist ja gewiss cool, seinen M3 oder S3 mit Brembo, Momo & Co. aufzumotzen und vor den anderen Jungs damit anzugeben. Doch es ist kompletter Schwachsinn, auf einer öffentlichen Strasse gegen den Kollegen ein Rennen zu fahren. Dass bei solchen Anlässen häufig ausländische Fahrer bzw. Secondos beteiligt sind, ist bekannt. Oder?

Nun bin ich als langjähriger Autofahrer, 20 Jahre unfallfrei, und insbesondere als Automobiljournalist bzw. Autotester gewiss nicht gegen Autos. Doch auch ich finde, dass solche Vergehen einfach viel zu milde bestraft werden. Klar, wenn ein so schöner Schlitten im Shredder zermalmt wird, macht das die Tochter einer trauernden Familie auch nicht wieder lebendig. Aber es wäre vielleicht abschreckend für Nachahmer. Justitia: die Strafen sind noch viel zu lasch!

Ich bin sehr froh um die klaren Worte von Bundesrat Leuenberger. Rasen ist zutiefst asozial und kriminell. Wer rast und jemanden tötet, erfüllt den Eventualvorsatz, darüber besteht für mich kein Zweifel.

Härtere Bestrafung wirkt offenbar abschreckend wie Erfahrungen im Ausland zeigen. Mögliche konkrete Massnahmen wurden bereits von Herrn Widmer aufgelistet. Allerdings, die Rennstrecke braucht es sicher nicht.

Es muss auch auf Prävention gesetzt werden, bevor Unschuldige getötet wurden. Die geplante Kampagne von “RoadCross” ist sehr zu begrüssen. Ich wäre auch dafür, den Rat von Ausländerorganisationen aktiv einzubeziehen.

Ich warne allerdings vor einer zu starken Ethnisierung des Problems. Machos gibt es in allen Kulturen, auch bei uns. Es muss jetzt etwas unternommen werden, denn die Scharfmacher von rechts werden es sich nicht entgehen lassen, das Problem für ihre ausländerfeindliche Agenda zu missbrauchen.

Ich kann nicht nachvollziehen, warum die Täter schon wieder auf freiem Fuss sind und ihnen ihre Autos – radikal ausgedrückt: ihre “Mordwaffen” – zurückgegeben wurden. (Ich bin eigentlich kein Freund von Radikalisierungen.)

Warum werden solche Mörder nicht gleich behandelt wie andere Mörder? Für mich macht es keinen Unterschied, wie jemand einen Menschen tötet, Mord bleibt Mord. Durch ihr Handeln musste eine nicht beteiligte Person ihr Leben lassen.

Raser sind asozial, rücksichtslos und gehören in die gleiche Schublade gesteckt wie Mörder, sollten gleich bestraft werden, sollten nicht auf Milde hoffen dürfen.

Was mit den Autos geschieht, ist eigentlich egal. Sie zu verschrotten, wäre sinnlos und würde niemandem helfen. Doch sie gehören als Mordwaffen sicher nicht in die Garage von Rasern.

Das Alkoholverbot für Neulenker finde ich sehr sinnvoll, wobei ich für die Ausweitung auf alle PW-Lenker bin. Man erinnere sich an den tragischen “Rasertod” von Jörg Haider. Die Erhöhung der Haftpflichtversicherung schiesst am Ziel vorbei, sollen die Raser für den ganzen Schaden, den sie verursacht haben, aufkommen.

P.S: Ich finde es schade, Ausländer für Raserunfälle verantwortlich machen zu müssen.

Liebe Schreiber, es ist die Hilflosigkeit, die aus den vorangehenden Voten spricht. Ich finde es ebenfalls unverantwortlich, Autorennen auf öffentlichen Strassen zu fahren.

“Via Sicura” ist ein Ansatz. Könnte man nicht die ganze Rennfahrergilde für einen Werbespot gewinnen? Herr Schuhmacher lebt ja in der Schweiz, können nicht solche Leute öffentlich Stellung nehmen? Für mich sind diese Raserunfälle Mord und sollten juristisch auch so angegangen werden. Kein Schmusekurs.

Diese Menschen sollten nie wieder motorisierte Fahrzeuge lenken dürfen. Bei uns erhalten ja sowieso nur “Erwachsene” einen Führerschein, also Menschen von denen verantwortungsvolles Handeln erwartet werden kann. Für Alkohol gelt dasselbe und meinetwegen können wir sofort die 0-Promille-Grenze einführen. Ich weiss nicht, was Drogen und Alkohol beim Autofahren zu suchen haben.

Es muss endlich gehandelt werden. Das Gesetz muss verschärft werden. Wer rast, nimmt einen Unfall in Kauf.

Es kann heute niemand mehr sagen, dass er nicht wisse was passiert, wenn er rast.

Damit ist für mich (auch als Nicht-Jurist) klar, dass wenn man zu schnell fährt, auch wissentlich Personenschaden in Kauf nimmt. Damit ist der Grundstz der vorsätzlichen Tötung erfüllt und es muss zwingend eine unbedingte Gefängnissstrafe ausgesprochen werden – und den Enzug des Führerscheines für viele Jahre.

Es muss aber möglich sein, den Führerschein wieder erlangen zu können. Ich glaube, dass auch Raser begreifen können, dass sie einen Fehler gemacht haben und dann sollen sie auch wieder eine Prüfung ablegen können, wenn eine nächste Gefährdung ausgeschlossen werden kann.

Was aber nicht sein darf, dass alle und vor allem die Jungen kriminalisiert werden und in einen Topf geworfen werden. Das heisst: Keine Erhöhung der Versicherungen für Neulenker, Nulltoleranz für Alkohol bei Neulenker. “Entweder alle oder keiner” muss die Devise lauten. Denn auch die meisten Jugendlichen fahren anständig und werden sich nie etwas zu Schulden lassen kommen.

Zu Recht schlagen die Wogen nach dem Raserunfall vom Wochenende hoch. Und wieder einmal werden gerade von den Politikern aus den grossen Parteien drastische Massnahmen gefordert. Der geneigte Betrachter fragt sich: Warum erst jetzt?

Das Thema Raser ist doch schon alt, Tote gab es schon in früheren Jahren. Warum haben denn die Politiker der FDP, SVP (BDP), CVP und der SP denn nicht schon längst wirksame Massnahmen ergriffen? Es liegt in der Macht des nationalen Parlamentes, hier für Abhilfe zu sorgen. Die bisher von Gerichten und Verwaltung gezeigte Milde bei Verurteilungen und beim Entzug des Fahrausweises kann mit gesetzgeberischen Massnahmen verhindert werden.

Die bisherige Milde ist mithin auch ein Resultat der Untätigkeit des nationalen Gesetzgebers. Zugegeben, alle Unfälle lassen sich damit nicht verhindern. Es wird jedoch Zeit, hier von Seiten der Politik endlich ein starkes Zeichen gegen solches Machogehabe auf den Strassen zu setzen.

Der Staat hat weder recht auf Verschrottung als auch für die wegnahme.
Ist Diebstahl vom Staat dem Bürger.

Das Auto ist ein Grundrecht und sollte nicht Verboten werden.

Ich Fahre ein PS starkes Auto…und bin ich jetzt auch ein Raser und Mörder deswegen.

@ Beat Michel:

Solange Sie sich an die Regeln halten, wird Ihnen niemand Ihr geliebtes Auto wegnehmen. Wer sich nicht an die Regeln hält, wird eben bestraft. Bei schweren Übertretungen, durch welche unbeteiligte Personen an Leib und Leben bedroht werden, ist es absolut angebracht das Auto einzuziehen.

Interessant: Sonst ist es doch immer die SVP, welche für härtere Strafen bei Gesetzesübertretungen und Verbrechen einsteht.

Übrigens ist die Religionsfreiheit im Gegensatz zum Auto wirklich ein Grundrecht – und genau dieses möchten sie gemäss ihrem Smartvote-Profil ja beschneiden.

Es ist traurig, dass immer wieder unbeteilgte Menschen sterben müssen, weil einige wenige zum Spass (!) Rennen auf den normalen Strassen veranstalten.

Um solche Raserunfälle zu verhindern braucht es das Engagement von allen Seiten.

1. Bekannte Raserstrecken müssen mit vielen Blechpolizisten versehen werden.

2. An den Schulen muss das Thema “Auto” aufgegriffen werden. Dabe geht es um das Rasen, aber auch um Kosten (Leasing), Umweltverschmutzung, usw.

3. Die Strafen für Raser müssen drastisch erhöht werden. Wer erwischt wird beim Rasen, verliert das Billett für längere Zeit (z. B. ein Jahr). Wer einen Unfall verursacht hat, muss das Billett für zehn Jahre abgeben. Dann kann wieder geprüft werden, ob er sich geändert hat.

Das Auto muss nicht verschrottet werden (ausser es ist sowieso kaputt). Stattdessen sollte es verkauft werden, um mit dem Erlös dem Opfer Genugtuung zu leisten.

@ Beat Michel:

Ich muss Sie leider enttäuschen – ich finde in der Verfassung kein “Grundrecht auf ein Auto”. Hingegen gibt es ein Recht auf Leben und auf körperliche Unversehrtheit. Niemand in diese Forum hat in diesem Forum zum “Verschrotten von Autos” von normalen, vernünftigen Fahrern aufgerufen.

Lassen Sie mich einen kleinen Vergleich anführen: Wären Sîe damit einverstanden, dass ein Mörder ein paar Tage nach dem Mord wieder mit einer Waffe in der Hand durch ihr Quartier zieht? Wohl kaum!

Es ist schon komisch, dass beim “Mord mit Auto” noch darüber diskutiert werden soll, ob der Täter eventuell noch mit der Tatwaffe nach Hause fahren darf. Es scheint mir hier bei ein paar Leuten – auch an den zuständigen Stellen in den Ämtern – nach wie vor ein Kavaliersdelikt zu sein, jemanden tot zu fahren. Ein Preis, den wir für die individuelle Mobilität zahlen müssen?

Nein! Tötung bleibt Tötung und der Einzug und die Unschädlichmachung der Waffe sind nur logische folgen.

Der Staat nimmt niemandem das Auto weg, der sich an Recht und Gesetz hält. Er muss aber da eingreifen, wo das Leben der Bürger gefährdet wird. Und das tun Raser unbestritten!

@ David Stampfli:

Zu Ihrem Punkt 2:

Eine verbesserte Information der Jugendlichen kann sicher zu mehr Sicherheit auf der Strasse beitragen.

Allerdings stütze ich die, sp-intern sehr verbreitete, Forderung nicht, die Schule solle Themen und Erziehungen kompensieren, welche nach Ansicht der einen oder andern politischen Seite zu kurz kommen.

Schon heute haben wir Lehrpersonen einen Auftrag, der in seiner Breite und Tiefe kaum mehr zu erfüllen ist, müssen von der Abfalltrennung übers Zähne putzen und die Gebärmutterkrebsprävention, von der Veloprüfung über Sexualkundeunterricht und Berufswahl (und dabei habe ich ca. 100 Themen weggelassen, die die Schule auch noch behandeln sollte) alles vermitteln, beibringen, lehren…

Für mich ist die Schule, in der heute schon der eigentliche Schulstoff meiner Ansicht nach eher zu kurz kommt, nicht der richtige Ort, auch noch die Verkehrssicherheit in der Schweiz zu erhöhen und Raser früh zu erziehen.

Bitte – so wichtig das Thema ist – schiebt nicht “immer alles” auf die Schule – sonst gehen wir irgendwann in den Aufträgen unter… Danke!

Die rechtliche Würdigung dieser Frage beschäftigt das Bundesgericht schon seit geraumer Zeit. Es geht dabei um die schwierige Abgrenzung zwischen vorsätzlicher und fahrlässiger Tötung, wobei es um die kleine Differenz zwischen Eventualvorsatz und Fahrlässigkeit geht.

Der Unterschied besteht darin, dass der vorsätzlich handelnde Täter den verwirklichten Unwert (Schaden/Tod) eines Menschen zumindest in Kauf nimmt, während der fahrlässig handelnde Täter nur pflichtwidrig auf ein Ausbleiben des Erfolges vertraut.

Das Bundesgericht verfolgte zuerst eine klare Linie zu Gunsten der strengeren Lösung des Vorsatzes, wich jedoch in der neusten Praxis wieder davon ab. Meines Erachtens geht es um die Bedeutung des Strafrechtes, welches auch eine abschreckende Funktion haben sollte.

Leider haben viele Menschen nicht begriffen, dass auch ein Fahrzeug als Waffe einsetzbar ist. Dies müssen wir mit einer Durchsetzung des Rechts ahnden. Eine Verschrottung der Fahrzeuge greift in das Eigentumsrecht ein und ist deshalb abzulehnen. Durch die verwaltungsrechtliche Massnahme des Entzuges des Führerscheins sowie der Haftstrafe müsste der Gerechtigkeit Genüge getan worden sein.

Ich möchte die Gelegenheit nutzen, um eine Frage in den Raum zu werfen, die einige Autoren bereits in diesem Forum beschäftigt hat:

Sind Raser nicht nur Töter, sondern auch Mörder?

Der Mord als qualifizierter Tatbestand der vorsätzlichen Tötung setzt besondere Merkmale der Ausführung der Tat oder der Motive voraus. Bei den Rasern wäre dies die besondere Skrupellosigkeit. Verhalten sich Raser in diesem Sinn besonders skrupellos, indem sie den Schaden von unbeteiligten Drittpersonen zumindest in Kauf nehmen?

Der Laie mag dies bejahen, der juristische Terminus verneint dies jedoch.

Ich denke, dass es einmal mehr klar wird, dass Repression alleine keine Lösung bringt. Drastische Strafen, Auto-Verschrottung und dergleichen sind doch nur das letzte Glied in der Kette. Zudem wirken drastische Strafen erwiesenermassen nicht abschreckend.

Angefangen werden muss viel früher und viel breiter. Und – wie Manuel C. Widmer richtig sagt – nicht nur in der Schule. Würde man nach den tieferen Gründen fragen, die einen Menschen zum Raser (und damit zur Gefahr für die Allgemeinheit) macht, käme man auf Machismus, Sexismus, Chancen-Ungleicheit, Leistungsdruck, mangelnde Anerkennung und vieles mehr.

Um hier entgegen zu wirken, ist die ganze Gesellschaft gefragt. Allen voran die Medien, Sportler, Werbung, Politik, Wirtschaft. Würden sie ihre Werte, Haltungen und Botschaften überdenken, dann gäbe es auch gar nicht mehr so viele Raser zum bestrafen.

@ Reto Kropf

Ich stimme Ihnen zu: das Auto sollte nicht verschrottet, sondern verkauft werden und der Erlös zum Begleichen des Schadens verwendet werden.

Was die rechtliche Situation betrifft. Man darf ganz sicher nicht von Mord sprechen. Deswegen sollten die Raser dennoch nicht in Schutz genommen werden, sondern entsprechend hart bestraft werden!

@ Manuel C. Widmer

Ich habe Verständnis dafür, dass sie der Schule nicht alles übergeben wollen. Meine Eltern sind beide Lehrpersonen, mir ist die Problematik bekannt. Dennoch: Ich glaube, dass die Aufgaben der Schulen sich in Zukunft noch stärkere ändern werden. Es wird noch mehr Erziehungsaufgaben für die Schule geben. Damit ändern sich auch die Anforderungen für die Lehrkräfte. Gleichzeitig müssen aber auch Ausbildung, Lohn, Arbeitszeit, Klassengrössen und Unterrichtsmodell angepasst werden.

Harmos ist der erste Schritt in diese Richtung. Wir dürfen uns nichts vormachen, die Schule in der heutigen Form entspricht der Gesellschaft nicht mehr. Und zu dieser Gesellschaft gehören eben auch die Probleme mit den Rasern. Die Schule ist aber der einzige (staatlich gelenkte) Ort, wo grossflächig Prävention betrieben werden kann.

@ Reto Kropf

Wir müssen – mit Blick auf die Betroffenen – aufpassen, dass das Leid, dass sie erfahren haben, nicht mit juristischen Floskeln überspült wird.

Trotzdem: Ich gehe mit Ihnen insofern nicht einig, als dass das Schweizerische Strafgesetzbuch – im Gegensatz zum Deutsche, welches die objektiven Tatbestandsmerkmale alle aufzählt – dem Richter durch die “offene” Formulierung einen verhältnismässig grossen Ermessensspielraum offen lässt.

Ich wäre allerdings mit der deutschen Formulierung des Mordartikels (§ 211 des Strafgesetzbuches StGB) glücklicher, da dieser die “Tötung mit gemeingefährlichen Mitteln” unter Mord subsumiert.

Gemeingefährlich ist – laut der gängigen Auslegung – ein Tötungsmittel, dessen Wirkung auf Leib oder Leben mehrerer oder vieler Menschen der Täter nicht beherrscht, weil er die Ausdehnung der Gefahr bei seinem Einsatz nicht in der Gewalt hat.

Und diese Formulierung trifft nun “das Rasen” als solches punktgenau, oder?

Zudem denke ich, dass der Eingriff des Rasers ins Leben der Getöteten in jedem Fall den verhältnismässig kleinen Eingriff in sein Eigentum rechtfertigt – zumal das ja zum Schutze der Bevölkerung geschieht. Ich denke – insbesondere im Widerholungsfall – ist der Schutz der Bevölkerung absolut primär!

@ David Zimmermann

Sie analysieren das sehr richtig. Aber ein solcher Aufruf an Medien, Gesellschaft usw. nützt oft nichts. Am nächsten Autosalon in Genf werden wieder die schnellsten und coolsten Autos präsentiert werden. Das Fernsehen wird seine Serien, in denen es hauptsächlich um Sex & Crime geht, kaum anpassen. usw.

Ich bin überzeugt, dass der Gesellschaft entsprechende Werte vermittelt werden müssen. Und ein guter Ort dafür ist die Schule. Die Prävention muss eben möglichst früh passieren.

@ David Stampfli

Ja, das ist klar. Medien, Fernsehen und Autosalon verweisen bei solchen Aufrufen zu Recht auf real existierende Bedürfnisse. Und hier schliesst sich doch der Kreis.

Würde früh genug mit präventiven Massnahmen angefangen, die eine Stärkung der Persönlichkeit und den Aufbau eines in sich konsistenten Werte-Systems begünstigen, dann entstünden solche Bedürfnisse gar nicht erst. Und Medien, Fernsehen und Autosalon müssten sich entsprechend anpassen. Arte wäre mehr gefragt und vielleicht würde eine Umweltmesse dem Autosalon in Sachen Popularität den Rang ablaufen.

Aber leider denken viele Leute sehr kurzfristig. Ich arbeite selber in der Prävention und erlebe die Reaktion sehr oft: “Was wollen Sie jetzt mit Prävention – wir haben doch gar keine Probleme”. Probleme werden leider oft erst angepackt, wenn sie akut sind. Mit Schnell-Massnahmen, deren Wirkung auch wieder schnell verpufft ist. Oder um wieder auf das Thema zurück zu kommen: Das verschrottete Auto tut vielleicht dem Raser weh. Vielleicht auch ein ganzes Jahr lang. Aber im Endeffekt bringt es für die Problemlösung nicht wahnsinnig viel.

@ David Zimmermann

Besser spät als nie. Beginnen wir nun mit der Prävention gegen das Rasen an den Schulen und sensibilisieren wir die Jugendlichen dort.

Auch wenn das Herr Widmer nicht passt. Das Schulsystem muss entsprechend angepasst werden, wie ich schon früher beschrieben habe.

Wie oben schon erwähnt, bin ich nicht wie Herr Widmer für das Verschrotten. Viel besser wäre es, das Auto zu verkaufen und den Erlös zur Schadenstilgung zu verwenden.

@ David Stampfli

Der Wiederverkauf von Waffen aus Mord- und Tötungsdelikten ist in Amerika äusserst umstritten. Es wird da argumentiert, es sei eben nicht nur der Mensch oder nicht nur die Waffe, die töte, sondern ein Zusammenspiel.

Die Gefahr, dass jemand mit einem Schrottauto wieder rast ist ungleich kleiner als die, dass jemand mit einem funktionstüchtigen Auto einen (erneuten) Unfall baut. Zudem spielt die Symbolik auch im Strafrecht eine grosse Rolle…

Und – für diesen Satz dürfen jetzt alle nicht Grünen über mich herfallen – auch im Lichte der Tragik der jeweiligen Ereignisse und ohne das Leid der Betroffen ausblenden zu wollen: Ich bin um jedes Auto froh, dass nicht fährt…

PS: Viel Spass beim Schule umkrempeln, das wird seit zwanzig Jahren jedes Jahr einmal gemacht, weil alle immer bessere Ideen haben, wie die Schule zu sein hat und auch brillante Eingebungen, welche Aufgaben die Schule auch noch wahrnehmen sollte – um dann darüber zu klagen, dass die Schüler stofflich weit hinten lägen gegenüber vor zehn Jahren.

Aber wo bleibt da die Verantwortung der Eltern, des sozialen Umfeldes und letztendlich die Eigenverantwortung???

@ Manuel C. Widmer

Ich will ja nicht ein Gewehr verkaufen. Ein Auto ist nicht in erster Linie zum Töten gemacht, ein Gewehr hingegen schon.

Ich bezweifle, dass das “Verschrotten” juristisch haltbar wäre…Es wäre nur eine tolle Medieninszenierung. Aber das mögen ja gewisse Politiker.

Ich hoffe, dass Sie sich selber als Grünen bezeichnen?!
Selbstverständlich wäre ich auch froh, wenn möglichst viele Leute ihr Auto nur sparsam nützen würden, der Umwelt und den Mitmenschen zuliebe.

Wie lange haben wir nun schon die hehre Eigenverantwortung? Wie viele Eltern sind mit der Erziehung überfordert? Welches soziale Umfeld in dieser Karrierewelt?

Es ist eben nicht so einfach.

Klar ist es nicht angenehm für Lehrkräfte und SchülerInnen. Aber mit Harmos haben wir nun die Chance das Bildungssystem grundlegend anzupassen.

Ich glaube wir bräuchten ein neues Thema: Eigenverantwortung und/oder Staat?

Die Diskussion wäre spannend, scheint mir aber hier leider “fehl am Platze”.

Aber vielleicht, wenn wir Mark Balsiger ganz nett fragen…?

Wir können ja einfach diesen Thread zur Frage “Eigenverantwortung und/oder Staat” machen. Ganz nebenbei hat diese Frage auch recht viel mit dem Thema zu tun.

Aber vorher noch zum Verschrotten. Ich glaube, David Stampfli hat hier den Nagel auf den Kopf getroffen. Medienwirksamkeit. Das Verschrotten wäre vergleichbar mit Plakatkampagnen: Beides ist etwas Sichtbares, Spektakuläres. Bei beiden kann man sagen: Wir haben ja etwas gemacht – ohne wirklich etwas gemacht zu haben.

Und Manuel C. Widmer möchte ich insofern widersprechen, dass man natürlich jetzt nicht alles von der Schule wegweisen kann. Die Schule muss meines Erachtens ihren Beitrag dazu leisten (und dazu muss sie wahrscheinlich nicht einmal gross umgekrempelt werden). Aber die Schule kann nicht alleine das ganze Übel dieser Welt beseitigen. Eltern, Jugendarbeit, Jugendverbände und viele mehr sind ebenso gefordert. Gemeinsam!

Die Eigenverantwortung steht im Vordergrund, aber der Staat muss helfen, sie zu fördern und die idealen Rahmenbedingungen für die Eigenverantwortung zu setzen.

Was gibt es da lange zu diskutieren? Wer einen andern Menschen mit dem Auto bei überhöhter Geschwindigkeit verletzt oder tötet, muss seinen Ausweis lebenslang abgeben! Schluss! Kein Wenn und Aber!

Die Mindeststrafen für das Verletzen oder Töten von Menschen bei überhöhter Geschwindigkeit müssen drastisch erhöht werden! Keine bedingten Strafen in solchen Fällen!

Denn jeder Tote verursacht durch Selbstüberschätzung und Dummheit ist einer zu viel!

@ Peter Bühler

Freut mich, dies von Ihnen zu hören. Wie sieht es mit Autofahrern aus, die mit massiv übersetzter Geschwindigkeit erwischt werden, aber durch reines Glück niemanden verletzen? Sind Sie da ebenfalls für lebenslangen Ausweisentzug?

(Ich rede nicht von “Lappalien”, sondern z.B. von 100 km/h Innerorts).

Auf die Antwort von Herrn Bühler bin ich jetzt gespannt. Also ich wäre sofort dafür, Herr Köpfli. Das würde ganz viele Probleme lösen. Immer wenn ich Auto fahre bin ich erstaunt darüber, wie viele Leute mit überhöhter Geschwindigkeit fahren. Auch schnelles Fahren allgemein ist “Selbstüberschätzung und Dummheit”. Wenn wir die alle von der Strasse hätten…

Ich fordere nun mal rein vorsorglich mehr Blechpolizisten. Damit kann Herr Bühler die Raser, die noch keinen Unfall gebaut haben, bequem erwischen.

@ alle, vor allem Manuel Widmer

Die “ganz nette” Anfrage habe ich zur Kenntnis genommen. Grundsätzlich können wir über alle Themen, die einen etwas breiteren Kreis interessieren, anstossen.

Eigenverantwortung vs. Staat hat durchaus Potential, gerade in diesen Zeiten.

Haben Sie andere Themenvorschläge? Unsererseits ist die Kita- und Krippenplatzfrage gesetzt.

Die Agenturmeldung von heute zum Raserunfall von Schönenwerd (SO):

Oberstaatsanwalt räumt Fehler ein

Nach dem tödlichen Raserunfall in Schönenwerd hat der Oberstaatsanwalt des Kantons Solothurn das Vorgehen des zuständigen Staatsanwaltes kritisiert. Dieser war nicht persönlich am Unfallort gewesen.

Im Rückblick sei dieser Entscheid der Bedeutung des tragischen Ereignisses «nicht angemessen» gewesen, teilte der Oberstaatsanwalt Matthias Welter mit. Er reagierte damit auf Kritik und offene Fragen in der Öffentlichkeit. Dem Staatsanwalt sei es aufgrund der konkreten Umstände sinnvoller erschienen, die notwendigen Massnahmen nach dem Unfall telefonisch zu verfügen.

Eine Untersuchungshaft für die drei am Raserunfall beteiligten Junglenker sei geprüft worden. Der Staatsanwalt sei jedoch zum Schluss gekommen, dass die gesetzlich notwendigen Haftgründe wie Flucht-, Kollusions- und Wiederholungsgefahr nicht vorgelegen seien. (sda)

Und gleich noch einmal etwas zum Thema: Einen Text aus dem heutigen “Tages-Anzeiger” unter dem Titel: “Weshalb hat nur Zürich “Raser”-Anwälte”

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