20.10.2008

UBS-Banker sollen 7 Milliarden Franken Boni erhalten: Die Schweiz taumelt in Zorn und Angst (16)

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Die Finanzwelt steht Kopf – kaum ein Mensch versteht diese Welt noch. Und allenthalben: Kopfschütteln. Zorn. Angst. Gemäss der Zeitung “Sonntag” soll die Grossbank UBS für das Jahr 2008 insgesamt 7 Milliarden Franken Boni auszahlen. Im letzten Jahr erhielten die UBS-Banker 12 Milliarden Boni – trotz eines Konzernverlusts.

Letzte Woche schnürte der Bund ein Hilfspaket über 68 Milliarden Franken, um die Grossbank zu stützen. Ordnungspolitiker kniffen sich kräftig in den Arm, einmal, zweimal, dreimal. Es tut ihnen noch jetzt weh.

Die Probleme und Herausforderungen der Finanzkrise lassen sich mit verschiedenen Aspekten angehen. Eine Auswahl möglicher Fragen, die den Auftakt für unsere Diskussionen im Wahlbistro markieren können:

- Soll die Abzocker-Initiative von Thomas Minder bereits in der Wintersession im Parlament behandelt und im nächsten Jahr vors Volk gebracht werden?

- Ist ein revidiertes Aktienrecht die bessere Alternative?

- Sollen Gehälter und Boni begrenzt werden, so wie dies nun auch Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf fordert?

- Ist es richtig, der UBS Bundeshilfe zu gewähren?

- Braucht es eine Konjukturspritze des Bundes, um eine Rezession zu verhindern?

Foto: www.telegraph.co.uk

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Letzte Kommentare

Es war ja so klar, dass die UBS die Steuergelder nur missbraucht, um ihre Boni zu sichern! Der Bundesrat ist aufgefordert, die angebotene Hilfe sofort zu streichen!

Wenn die UBS nicht weiss, wie dumm sie sein will, und die gierigen Manager einfach so weitermachen dürfen, wie bis anhin, gibt es absolut keinen Grund diesem Unternehmen noch mehr Steuern zu schenken. (Den Teil, den sie auf Grund ihres Verlustes nicht zahlen wollen, reicht völlig!)

Ich verlange, dass die Gier-Manager ins Gefängnis kommen, das ihr Diebesgut dem Volk zurückgegeben wird, und das die Manager alle mindestens 5 Jahre in Thorberg verbringen müssen.

Es ist unhaltbar, was hier grad mit uns gemacht wird! Die UBS verkauft dem Staat Schrott, die Steuerzahler sollen dies Zahlen und jetzt stehlen sie weiterhin Milliarden.

Das nennt man Betrug!

Dem Steuerzahler empfehle ich dringend, statt der Steuererklärung eine Erklärung einzureichen, auf der steht, das man nicht bereit sei, für einen solchen Unsinn zu zahlen.

Nur, wenn wir uns alle gemeinsam gegen die da oben wehren, nur dann haben wir eine Chance!

Jetzt ist es an der Zeit, das wir, das Volk, endlich unsere Macht zurückfordern!

@Sandra Lia-Infanger

Auch wenn ich weitgehend mit Ihnen einverstanden bin, so steht es uns Bürgern offensichtlich laut bundesrätlichen Aussagen (Arena) nicht zu, uns zu dieser Schweinerei zu äussern. Schon gar nicht als einfache, Steuern zahlende Bürger.

Der Bundesrat und die Nutzniesser dessen Entscheidungen wissen, was für das gemeine Volk gut ist.

Interessant ist nur, dass die SP und SVP – die sich sonst spinnefeind sind – wieder die Ersten sind, die opponieren, wenn auch aus verschiedenen Gründen.

Wie können Sie aus eigener Wahrnehmung ein solch bescheidenes Urteil ungerichtlich fällen? Steht uns einfachen Bürgern doch nicht zu. (Dies ist ironisch gemeint, dass ich nicht falsch verstanden werde).

Eine Mutter, die aus Not einmal für die Ernährung ihrer Familie Lebensmittel klaut, hat vom Richter die gerechte Strafe zu gewärtigen.

Wo kämen wir hin, wenn die wirklichen Volksprofiteure gleich behandelt würden?

Machen wir uns nichts vor: Frau Bundesrätin Widmer-Schlumpf wird’s schon richten, auch ohne das enttäuschte, zahlende, gemeine Volk.

Frage: Ist das Schweizer Volk Eigentümer der Nationalbank oder die Regierung?

Ich verstehe das Vorgehen nicht, ich bin nur Bürger.

Ich finde es schlicht und einfach daneben, was die letzten Tage geschehen ist! Meine Wut wechselt sich ab mit Ungläubigkeit. Wie kann es sein, dass Banker und Manager gravierende Fehler begehen, dafür riesige Boni kassieren und dann auch noch für ihre Fehler Geld erhalten?
Und selbst wenn das Geld gesprochen ist, findet man, dass Boni angemessen sind.

Was ist mit einem einfachen Angestellten, wenn er einen gravierenden Fehler begeht? Schlimmstenfalls wird er gefeuert.

Was ist mit einer Sozialhilfeempfängerin, die einen Fehler begeht? Sie wird sanktioniert, d.h. sie erhält weniger Geld.

Die Welt steht Kopf. Gewisse Kreise können sich wirklich alles erlauben.
Falsch finde ich auch, dass an die Milliardenspritze nicht einmal wirklich Bedingungen geknüpft worden sind. Auch deshalb hat die SP einen Gegenvorschlag lanciert.

Was diesen Gegenvorschlag der SP betrifft: Die bürgerlichen Parteien sind dagegen. Sind wir überrascht? Nein.
Es läuft oft so: Zuerst grosse Töne spucken in Interviews, um die Wähler zu besänftigen, im Parlament dann das Gegenteil stimmen!

Um den Banken und ihren gierigen Manager mindestens gewisse Fesseln anzulegen gibt es nur eine Möglichkeit: SP wählen!

Es geht doch hier gar nicht um die Banker und die Boni bei der Finanzmisere. Die Gelder der Banker stecken doch auch alle in den maroden Aktien. Die verlieren mit, und sie werden auch wieder mitgewinnen. Ausserdem was sind Millionen gegen Milliarden. In der “NZZ am Sonntag” vom 19. Oktober ist dazu ein hübscher Kommentar von Stefan Bühler zu lesen (Seite 19, think big).

Die Milliarden müssen ja erst gedruckt werden, die gibt es ja real gar nicht. Die Schweiz muss leider parallel zu den Nachbarwirtschaften ihre Inflation schalten. Sonst steigt der Franken und ist die Exportwirtschaft gefährdet.

@ Daniela Lutz

Bei der UBS spielte eine Million wohl nicht so eine grosse Rolle – bis jetzt! Aber nun, da sich der Staat eingeschaltet hat, schon! Wissen Sie über welche Beträge im Parlament gefeilscht wird? Da ist auch eine Million nicht Peanuts! Von den einfach Leuten will erst gar nicht reden!

Ehrlich gesagt störe ich mich im Moment wieder ein bisschen an der Art wie unser politisches System funktioniert und jeder seine prädestinierte „Rädchen-Funktion“ spielt.

Ich denke, man darf es einfach geradeaus sagen: Solange der Rubel rollt und alle ziemlich glücklich sind kommt es niemandem richtig in den Sinn, etwas Nachhaltiges gegen die Missstände zu unternehmen.

Wenn dann der ganze Laden einmal wieder, auch zyklisch bedingt, auseinander fällt, wird sofort aus allen Rohren gefeuert, die Medien spielen natürlich auch ganz gerne mit.

Man kann die UBS nicht „abkratzen“ lassen, dies ist eine volkswirtschaftliche Tatsache.

Kann eine Angestellte oder ein Angestellter für ein Unternehmen mehr als eine Million Franken im Jahr wert sein? Wohl kaum.

Sollten kleinere Bonuszahlungen vorgenommen werden? Ja, aber nur auf langfristiger Basis. Zu berechnen in Perioden von mindestens fünf Jahren.

Ich finde es persönlich auch ziemlich stossend, dass „unsere“ Banken anscheinend schlicht keinen Plan von ihren Produkten hatten und nur die Renditen maximieren mussten.

Hier hätte man frühzeitig (auch wenn unpopulär) mit feinen steuertechnischen und gesetzlichen Regelungen ansetzen sollen.

@ Lorenz Solothurnmann

“Hier hätte man frühzeitig (wenn auch unpopulär) mit feinen steuertechnischen und gesetzlichen Regelungen ansetzen sollen.”

Ja allerdings! Aber bei jedem Vorstoss der SP haben die Bürgerlichen das ja verhindert. Die gleichen Politiker tun jetzt erstaunt und fordern Massnahmen. Und was passiert: Die SP will das Hilfspaket des Bundes mit härteren Regeln versehen – und die Bürgerlichen sind dagegen! Wie kann man da noch bürgerlich wählen?!?

Ich gebe David Stampfli Recht. Wie kann man da noch bürgerlich wählen!

Es läuft doch immer wieder nach folgendem Schema: Möglichst wenig Staat in guten Zeiten und möglichst viel Staat(sgelder) in schlechten Zeiten. Der Neoliberalismus ist ungerecht und gehört bekämpft!

Was wir brauchen ist eine soziale Marktwirtschaft. Wir brauchen eine Wirtschaft, die nicht nur rein nach Gewinn orientiert ist, sondern sich als Teil der Volkswirtschaft versteht. Das heisst auch sich seiner sozialen Verantwortung bewusst sein und das Volk in einem gewissen Ausmass am Gewinn teilhaben zu lassen.

Nun zur Sicherheit: ich spreche nicht von Planwirtschaft. Aber von einer angemessenen Teilhabe am Wohlstand auch für den “einfachen” Bürger, die “einfache” Bürgerin.

Der Bundesrat hat entschieden. Die Mehrheit der Bevölkerung versteht den Entscheid jedoch nicht. Wieder einmal setzt sich das Establishment über die subjektiv empfundene Gerechtigkeit hinweg, die es bekanntlich nicht gibt.

Was können wir dagegen tun?
Richtig: Die bürgerliche Mehrheit abwählen, sämtliches Kaptial aus der UBS abziehen und zur Konkurrenz bringen. Das ist Markt – der Konsument hat alle Vorteile in seiner Hand. Er/sie muss sie nur nutzen!

Aber aufgepasst: Den letzten beissen die Hunde. Im Gegensatz zu meinem Parteikollegen weiter oben habe ich keine Mühe, wenn die UBS als Finanzdienstleister vom Markt verschwindet – das geschieht nämlich mit jeder Firma, die sich nicht nach den Gesetzen des Wettbewerbs oder Anstands richtet.

Ein Nachspiel wird diese Affäre zweifellos haben: Es wird wieder mehr reguliert werden, die Märkte werden noch mehr verzerrt werden, der freie Wettbewerb wird noch mehr behindert. Letztlich wird das einen negativen Einfluss auf unseren gesamten Wohlstand haben.

Deshalb fordere ich alle liberalen Kräfte auf, sich von der neo-liberalen Linie abzuwenden und mit der Linken eine sozial verträgliche Marktwirtschaft anzupeilen.

Schon die Bezeichnung “Boni” ist nicht korrekt. Tatsächlich handelt es sich um variable Lohnanteile und diese werden nicht nur an das oberste Kader ausgeschüttet, sondern an eine Mehrheit der Mitarbeiter.

Es wäre auch für mich schwer begreiflich, wenn die UBS-Führung oder die Kader im Investment Banking Boni beziehen (auf Grund welcher Leistung?). Aber man kann doch schlecht alle 80’000 Mitarbeiter bestrafen für die Fehlleistungen in einem einzelnen Bereich. Immerhin werden im Vermögensverwaltungsgeschäft immer noch Milliardengewinne erwirtschaftet.

Weiter sollte nicht ganz vergessen gehen, dass zumindest Verwaltngsrat und Konzernleitung einen wesentlichen Teil ihrer Vergütungen in Aktien erhalten haben, die fünf Jahre gesperrt sind und heute bestenfalls noch die Hälfte Wert sind, sowie in Optionen die heute überhaupt nichts mehr Wert sind.

So ist das Paket von 26 Millionen Franken aus dem Jahr 2006 heute noch knapp die Hälfte Wert. Selbst Herr Ospel leidet also ein wenig. Zugegeben, mein Mitleid hält sich in Grenzen und das er und seine Kollegen so viel Kritik über sich ergehen lassen müssen haben diese Herren sich selber eingebrockt.

Eigentlich ist es dem gemeinen Bürger egal, wie die variablen Lohnbestandteile genannt werden, sie sollten dieses Jahr einfach der Leistung der globalen Bank entsprechen (so ca. CHF 0,0 bzw. Nullkommanull).

Andernfalls besteht doch ein kleines Problem: die Einleger (die mit dem echten Geld) erinnern sich jetzt vielleicht wieder an die peinlichen Auftritte von Togni und Ospel im Grounding-Jahr 2001, als die UBS keine Lust verspürte, die Swissair mit einem beherzten Griff in die Portokasse in der Luft zu halten und an ihren Vorsatz, diese Bank zu meiden.

Oder etwas einfacher gesagt: wenn die Boni nicht verschwinden, dann eben die ganze Bank, weil die Einleger diese Arroganz nicht mehr goutieren. Es wäre jetzt möglicherweise noch Zeit, dies im Kader der UBS zu erkennen und klare Signale zu senden: 0 Boni, weltweit.

@Paul Richhardt

Was Sie fordern ist also, dass zum Beispiel ein Mitarbeiter am Sitz Bern (kein Kadermitglied!), der einen variablen Lohnanteil hat, welcher sich an seinen persönlichen Zielen bemisst nun auf diesen verzichten muss, weil die UBS Spitze versagt hat. Sehr sozial!

@Martin Waeber

Die Frage musste ja kommen, weil sie nicht wirklich zu beantworten ist. Hier 3 Thesen dazu:

- variable Lohnbestandteile, die nicht 0 sein dürfen, sind nicht variabel
- UBS-Mitarbeitende haben hoffentlich individuelle Ziele gehabt, die aus den Unternehmenszielen heruntergebrochen wurden, d.h. zum Geschäftserfolg beitragen mussten
- das Unternehmen UBS ist existentiell gefährdet, tatsächlich gilt es doch jetzt, die fixen Lohnbestandteile zu retten, die Arbeitsplätze

Die Kommunikation der Konzernspitze ist in Sachen Boni derart zögerlich und instinktlos, dass die eigene Belegschaft sich fürchten müsste. Tut sie aber erstaunlicherweise nicht und glaubt weiterhin an das Gesamtsystem UBS, die Zahl der Angestellten wird sich jedoch reduzieren.
Was ist nun sozialer: weniger Arbeitsplätze in einem Lohnsystem mit falschen Anreizen, oder mehr Arbeitsplätze mit reduziertem Gehalt?

@Paul Reichardt

Woher wissen Sie, dass die UBS-Belegschaft, sich nicht vor dem was für sie kommen könnte, fürchtet.

Es gibt auch bei den Banken wie bei den Parteien Fussvolk. Diese trifft es immer härter und am schnellsten.

Reduzierung der Belegschaft ist immer der erste Ausweg aus einer misslicher Lage. Oben braucht es in schwierigen Zeiten mehr Manager und Führungskräfte. Einsparen beginnt bei den Raumpflegerinnen, dann weiter bei den untergebenen kleinen Schalterfunktionärinnen und Funktionären .

Da glauben Sie, dass diese Kleinen natürlich auch mit weniger Lohn zufrieden sein könnten, um wenigstens die Plätze der Grossen zu erhalten.

Klar ist weniger verdienen mehr als gar nichts. Bedenken Sie aber, dass die eventuell für das Personal zu erwartenden Kündigungen auch zu Arbeitslosigkeit führen wird. Unter Umständen werden die Gekündigten, aus der Erwebslosen Versicherung dann mehr Geld zur Verfügung haben wie die lohngekürzten Arbeitenden.

Glauben Sie wirklich, dass die UBS sich mit Ihrem Rat auseinandersetzt?

Bitte schauen wir nicht ungefragt in die Geldbörsen anderer. Es steht uns Aussenstehenden nicht zu, den kleinen fleissigen Mitarbeitern der UBS Ratschläge zu erteilen.

@Paul Rohner

Lesen Sie die BZ von heute Montag, 27. Oktober. Die UBS-Leitung kann und muss in Sachen Boni schneller handeln. Offensichtlich tut sie es auch ohne meinen Rat.

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