21.11.2008

Kindertagesstätten: Wer soll sie finanzieren? Was brächte ein Rechtsanspruch auf Kita-Plätze? (27)

Die Eltern von 750 Kindern warten in der Stadt Bern auf einen Platz in einer Kindertagesstätte (Kita). Allein im nächsten Jahr sollen 80 neue Kita-Plätze entstehen. Dass sich die Investitionen in Kitas volkswirtschaftlich lohnen, ist weitgehend unbestritten.

Die SP hat mir ihrer Kita-Initiative dem Thema zusätzlich Schub verliehen. Die Initiative will einen Rechtsanspruch verankern Journey to the Center of the Earth move

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. Konkret: die Eltern sollen spätestens sechs Monaten nach der Anmeldung ihres Kindes einen Betreuungsplatz erhalten.

Die Grünliberalen haben im Sommer einen alternativen Vorschlag deponiert: Sie wollen Betreuungsgutscheine abgeben. Die CVP wiederum fordert “Kitas primär für Erwerbstätige”. Es könne nicht sein, dass die Stadt Kita-Plätze mitfinanziere und ein Elternteil dann zu Hause sitze, während das Kind extern betreut werde.

Vorgestern schliesslich artikulierten sich die privates Kitas der Stadt. Sie warnen vor der Kita-Initiative der SP. In einer Medienmitteilung schreiben sie, dass bei einem Ja zur Initiative viele Eltern, die ihre Kinder bisher in einer privaten Kita betreuen liessen, aus “verständlichen, finanziellen Gründen” ihren Rechtsanspruch auf einen subventionierten Kita-Platz geltend machen würden.

Das ist der Wettbewerb der Ideen: Rechtsanspruch? Betreuungsgutscheine? Zudem ist umstritten, wer die Kitas betreiben soll, primär Private oder auch der Staat. детское порно список кидал

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Letzte Kommentare

Als Unternehmensberater in Personalfragen weiss ich, wie wichtig die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist, gerade auch aus der Sicht unserer Auftraggeber. Die Stadt muss hier eine Vorbildfunktion einnehmen und aufzeigen, dass sich familienfreundliche Arbeitszeitmodelle für Betriebe lohnen.

Der Mangel an Krippenplätzen in der Stadt Bern ist offensichtlich – es fehlen ca. 700 Krippenplätze.

Das Jugendamt wurde in den letzten vier Jahren von der SP geleitet. Der Ausbau von Krippenplätzen verlief in diesen Jahren schleppend. Als Unternehmer weiss ich, dass gerade die Wirtschaft bereit ist kreative Lösungen in diesem Themenbereich anzupacken.

Leider wurde der Kontakt zu den Unternehmen zuwenig gesucht und von der Stadt Bern vernachlässigt oder mit Bedingungen gestellt, die von der Wirtschaft nicht akzepiert werden konnten.

Durch unseren Vorschlag für ein Pilotprojekt mit Betreuungsgutscheinen kam es in den vergangenen Wochen zu konstruktiven Gesprächen mit Betreibern von privaten Kitas. Diese stehen unserem Vorschlag – im Gegensatz zur SP-Initiative – sehr positiv gegenüber.

Schon heute können private Kitas kaum mit den stark subventionierten öffentlichen Kitas konkurrenzieren. Dies obwohl Private oft kostengünstiger sind und keineswegs eine schlechtere Qualität aufweisen. Die umgesetzte SP-Initiative würde dieses Problem noch verstärken.

Ich frage mich, warum sich die SP derart vor der Kritik der privaten Kita-Betreiber verschliesst. Die vielen Unterzeichnenden sprechen eine eindeutige Sprache.

Die Stadt Bern soll einen vollständigen Wechsel machen, nicht mehr Objekte (Kitas) sondern Subjekte (Kinder) sollen subventioniert werden – durch Betreuungsgutscheine! Es kann nicht sein, dass die Stadt weitere Unternehmer aus dem Markt drängt. Genau dies wäre bei der etatistischen Initiative der SP aber der Fall.

@ Dean Braus:

Es ist absolut in Ordnung, wenn Eltern ihre Kinder ausschliesslich selbst aufziehen. Es gibt aber Eltern, die das aus unterschiedlichen Gründen nicht 24 Stunden am Tag übernehmen können, und dies hat überhaupt nichts damit zu tun, dass sie ihre Kinder “loswerden möchten”.

Kitas sind in diesem Fall eine sehr gute Lösung. Die Betreuung in den Kitas ist übrigens sehr gut, viele Studien belegen zudem, dass die Entwicklung der Kinder keineswegs darunter leidet, eher im Gegenteil. Wenn Sie mal in eine Kita reinschauen, werden Sie auch merken, dass die Kinder dort nicht zu “Industriefutter” erzogen werden.

Schliesslich sollen die Eltern frei entscheiden können, denn ich bin mir sicher, dass die allermeisten selbst am besten wissen, was der beste Weg für ihre Kinder ist.

PS: Selbstverständlich sind Kinder unsere Zukunft. Der Begriff “Subjekt” ist auch überhaupt nicht abwertend gemeint. Der Fachausdruck für die Finanzierungsmodelle ist Objektfinanzierung (System heute) bzw. Subjektfinanzierung (System mit Betreuungsgutscheinen). Dies soll keineswegs suggerieren, dass Kinder mit Gegenständen gleichzusetzen sind.

Einen Rechtsanspruch auf einen subventionierten Kita-Platz lehne ich klar ab. Private Kitas erbingen ebenfalls gute Leistungen. Zusätzlich soll durch Abbau rigider Vorschriften das Betreuungsangebot (Unternehmungen, private Strukturen) ausgebaut werden können:

Bis vor kurzem mussten im Kanton Bern sogar Grosseltern, die ihre Enkel mehr als nur einige wenige Stunden hüten wollten, um eine entsprechende Bewilligung nachsuchen.

Privat organisierte Strukturen (z.B. befreundete Elterngruppen, Verwandte, Nachbarn, evtl. in Zusammenarbeit mit Kindermädchen), die “im tournus” die Betreuung der Kinder übernehmen, dürfen nicht durch unnötige staatliche Vorschriften verunmöglicht werden: diese Stukturen stellen eine ideale individuelle Ergänzung dar (keine Blockzeiten).

Bei Integrationsproblemen müssten Vorschriften gemacht werden können.

Die SP-Forderung, dass nur noch an Uni und FH-Schulen ausgebildetes Personal die externe Kinder-Betreuung übernehmen darf, führt zu Engpässen, massiven Verteuerungen und zum Verbot privater Strukturen.

Daneben sollte eine volle oder zumindest weitgehende steuerliche Abzugsmöglichkeit für private und externe Betreuungskosten eingeführt werden.

@ Alexander Feuz

Es wird niemandem verboten, seine Kinder privat zu hüten!

Private Kitas möchten möglichst gute Renditen erzielen. Gute Renditen gibt es aber eher bei billigem Personal, lies: ohne entsprechende Ausbildung, und vielen Kindern pro betreuende Person. Es darf aber nicht sein, dass die Qualität der Kitas wegen wirtschaftlichen Überlegungen leiden muss.

Deshalb fordert die SP eben eine gute Ausbildung! Und erreicht damit bessere Qualität.

Von bürgerlicher Seite werden Kitas immer noch als notwendiges Übel betrachtet: “Weil die Wirtschaft insbesondere auch Frauen braucht, müssen die Kinder irgendwo untergebracht werden. Dies darf aber ja nicht zu viel kosten und soll sicher nicht vom Staat gelenkt werden dürfen. “Deshalb wollen sie private Kitas.

Würde der Kita-Markt der Privaten funktionieren, wieso gibt es dann immer noch Warteschlangen?

@ David Stampfli:

Was Sie machen ist eine Verunglimpfung aller privat organisierten Kitas. Haben Sie schon jemals mit einem Betreiber einer privaten Kita gesprochen oder in einer privaten Kita vorbeigeschaut? Wenn nicht, würde ich Ihnen dies dringend empfehlen.

Private machen keineswegs grosse Renditen und bieten eine sehr gute Qualität. Auch private Kitas müssen sich an alle Standarts und Vorschriften halten.

Und wie sollen private Kitas mit öffentlichen konkurrenzieren, wenn diese wegen den Subventionen der Stadt die Plätze weit unter dem Selbstkostenpreis anbieten können?

Ich anerkenne absolut, dass der freie Markt kein ausreichendes Angebot schafft und sehe Kitas nicht als notwendiges Übel sondern als volkswirtschaftlich und sozial wertvoll. Deswegen fordern wir ja auch Subventionen, allerdings in Form von Gutscheinen, damit die städtischen Gelder wenigstens effizient eingesetzt werden und Unternehmer nicht vom Markt gedrängt werden.

Deswegen noch eine Anschlussfrage an Herrn Feuz, wie stehen Sie zu Betreuungsgutscheinen?

Ich sehe, es entwickelt sich eine spannende Diskussion. Nur leider werden schon gleich wieder Positionen wie beim Schach bezogen. Die guten Mütter (oder waren auch Väter gemeint), die zuhause ein bis zwei Kinder 24 Stunden alleine betreuen. Die schlechten Eltern, die arbeiten um sich Fernseher, Autos und Ferien leisten zu können.

Kinder sind meiner Meinung nach Teil der menschlichen Entwicklung, wir alle durchlaufen diese Phase. Wir machen eine Ausbildung (auch Mädchen und Frauen). Es ist keine Ausbildung zur Elternschaft, da es sich dabei noch um einen normalen biologischen Prozess handelt (es kann aber auch sein, dass wir da schon ganz wo anders stehen).

Und dann trägt jeder seinen Teil zur Entwicklung der Gesellschaft bei. Punkt. Es gibt kein Gut und Schlecht, sofern den Kindern eine gesunde Entwicklung ermöglicht wird, und dazu stehen viele Modelle zur Verfügung.

Aus persönlicher Erfahrung – mein Mann und ich ziehen gemeinsam vier Kinder gross und sind auch beide berufstätig – kann ich nur warnen, ein Modell als das einzig Selig machende zu favorisieren. Ich finde die privaten Krippen notwendig, die meisten sind aus Elterninitiativen entstanden und wollen keinen Profit machen.

Ich bin ebenfalls für Wahlfreiheit. Die Eltern sollen entscheiden können, welches Betreuungs-Modell für sie – je nach Lebensphase – richtig ist. Dabei gehe auch ich davon aus, dass hier zusätzlich auch individuelle Lösungen angeboten werden müssen.

Gerade in Kaderpositionen oder bei Selbständigkeit kann das Einhalten von Kita-Zeiten sehr schwierig werden. Ich plädiere für sinnvolle Ergänzungen der verschiedenen Angebote.

Auch weise ich daraufhin, dass ein privat organisiertes nachbarschaftliches Modell (gegenseitiges Hüten, evtl. gemeinsames “aur-pair” gegen Entgelt) nach Annahme der SP-Forderung (ausgebildetes Personal) wohl nicht mehr erlaubt werden könnte.

Ebenfalls würde die SP-Forderung nach Subventionierung dazu führen, dass gut eingespielte private Kita-Strukturen aufgelöst werden müssen.

@ Michael Köpfli

Der Vorschlag ist interessant. Dabei bestehen für mich allerdings noch offene Fragen:

- Höhe der Gutschrift?
- Wer zahlt? Wegfall von Subventionen?
- Bekommen Eltern, die nicht davon Gebrauch machen wollen, auch eine Gutschrift (Steuerabzug)?

Was halten Sie davon, dass die Betreuungskosten bei den Steuern abgesetzt werden können?

Für mich waren Kinder noch nie Privatsache. Kinder sind Individuen, also eigenständige Menschenwesen und nicht ein Auswuchs ihrer Eltern. Sie werden uns Eltern nur für einige Zeit geliehen, um dann selber weiterzuziehen.

Politisch betrachtet heisst das, dass die Kinder von den Eltern zu selbstbestimmenden Mitgliedern der Gemeinschaft erzogen werden. So trägt eigentlich die Gemeinschaft die Verantwortung für das Aufwachsen der nächsten Generation.

Da in unserer Gesellschaft diese Generationen übergreifende Verantwortung weitestgehend finanziell abgegolten wird, denke ich, dass die Betreuungskosten vollumfänglich absetzbar sein sollten. So liessen sich auch die Betreuungskosten von Kindern, die vollumfänglich durch die eigenen Eltern betreut werden finanzieren. Denn es kann nicht sein, dass in Zukunft das Aufziehen von Kindern immer mehr zu einem Armutsrisiko wird.

Wie ist es zu verstehen und sozial gerecht, wenn von dem Lohn eines Paares mal 2 und im anderen Fall mal 6 Personen leben müssen? Der Lohn richtet sich bei uns ja nicht nach der Anzahl zu ernährender Personen.

@ David Stampfli:

Als Initiantin und Geschäftsführerin einer grossen privaten Kita, die sowohl mit Firmen/Verwaltungen als auch mit Privaten zusammenarbeitet, möchte ich Ihre letzte Frage beantworten.

Private Kita-Anbieter haben in den letzten Jahren einen grossen Teil zur Verkleinerung der Wartelisten beigetragen. Dass sich nicht noch mehr getrauen, das unternehmerische Risiko auf sich zu nehmen, hängt dies unmittelbar mit den Bedingungen und Umständen zusammen, die in Bern herrschen.

Wir erfülllen sämtliche vom kantonalen Jugendamt geforderten Standards, müssen aber in der momentanen Situation ohne Betreuungsgutschriften einiges mehr an Qualität, Engagement und Kundenservice leisten, damit Eltern, die keinen subventionieren Kitaplatz gefunden haben, nicht ermässigte Preise zu zahlen bereit sind.

Zur Erreichung der hohen Renditen die Sie uns unterjubeln möchten, müssten wir Preise verlangen, die auch bei Mangel niemand zu zahlen bereit ist. Wenn bald für alle eine partnerschaftliche Zusammenarbeit zwischen Stadt und privaten Kitas entstünde, wenn alle Anbieter via Gutschriften gleiche Bedingungen hätten, würden die Wartelisten für zahlbare Kitaplätze sehr bald kleiner.

@ Alexander Feuz:

Grundsätzlich kann ein Gutscheinsystem unterschiedlich ausgestaltet sein, unser Vorschlag sieht wie folgt aus:

- Die direkten Subventionen für öffentliche Kitas würden komplett wegfallen und für die Finanzierung des Gutscheinsystems verwendet. Private Kitas und Tagesmütter würden dadurch vollständig gleichgestellt.

- Betreuungsgutscheine erhalten erwerbstätige und erwerbsunfähige Eltern, sowie Eltern mit denen eine Integrationsvereinbarung abgeschlossen wurde.

- Die Höhe der Gutscheine kann weiterhin einkommensabhängig sein, allerdings nicht mehr im heutigen Ausmass (die Spannweite bei den subventionieren Tarifen ist heute deutlich zu hoch).

- Finanzierung: Es gibt stets nur so viele Gutscheine wie Gelder gesprochen sind. Übersteigt die Nachfrage das Angebot, braucht es eine entsprechende Anpassung beim Tarifsystems der Gutscheine oder eine Budgeterhöhung. Genau diese Planungssicherheit wäre bei einem Rechtsanspruch nicht gegeben, dies wäre aus finanzpolitischer Sicht unverantwortlich.

Der Bund würde bei einer erfolgreichen Bewerbung für dieses Pilotprojekt im Rahmen seines Impulsprogramms übrigens bis zu 30 Prozent der Kosten in den ersten drei Jahren übernehmen.

Auch nach 16 Jahren rot-grüner Mehrheit fehlen 750 Krippenplätze in Bern.

Vor lauter Verzweiflung über diesen Umstand, will die SP nun den Anspruch auf einen Krippenplatz in der Grundordnung der Stadt festschreiben. Dieser Anspruch gilt dann auch für jene, welche ihn eigentlich nicht brauchen. Dieser Anspruch wird Geld kosten, das dann an anderen Orten fehlt.

Die Gewerkschaft VPOD will die Qualität der Krippenplätze erhöhen. Im Klartext heisst dies nichts anderes als ein Heraufschrauben der Anforderungen ans Betreuungspersonal, mit darauf folgenden Forderungen nach höheren Löhnen. Hier stehen gewerkschaftliche Interessen im Vordergrund, nicht diejenigen der Kinder! Wir wollen Betreuung – nicht Betreuungsbürokratie. Auch dies wird Geld kosten, das nachher fehlt.

Die Familienpolitik von Rot-Grün ist geprägt von kostentreibenden Obligatorien, Giesskannenlösungen und der irrigen Vorstellung, dass alleine der Staat all diese Angebote bereitstellen solle.

Private Initiative, Lösungen unter Einbezug von Freiwilligenarbeit, nachbarschaftliche Lösungen – all das hat in diesem Konzept keinen Platz.

Der Gutschein-Vorschlag scheint mir diesbezüglich diskussionswürdig.

@ Michael Köpfli:

Nein, ich wehre mich nur für die Initiative. Sie loben die Privaten und setzen voll auf die so genannten Gutschriften. Die Initiative schliesst diese Gutschriften übrigens nicht aus. In der Initiative geht es vorläufig nur darum, dass der Rechtsanspruch gesichert ist, damit es keine Wartelisten mehr gibt.

Mit den privaten Kitas verhält es sich wie mit Privatschulen: Eltern, die ihre Kinder lieber in eine private Kita schicken möchten, dürfen das tun, müssen aber mehr bezahlen. Wenn die Qualität stimmt, werden die Privaten keine Probleme haben – siehe den Ansturm auf Privatschulen.

@ Marion Baldesberger:

Ich finde es sehr löblich, dass Sie da die Initiative erfgriffen haben. Aber es verhält sich mit Kitas wie mit Schulen. Die Öffentlichen werden vom Staat finanziert, die Privaten nicht. Privatschulen sind sehr beliebt. Anscheinden sind (gut verdienende) Eltern sehr wohl bereit ihre Kinder in private Institutionen zu schicken, wenn die Qualität stimmt. Es liegt also nur an ihnen.

Wer gut verdient, hat bei einer öffentlichen Kita oft keinen Anspruch auf Unterstützung. Somit spielt es keine Rolle. Kitas funktionieren nach einem sozialen Prinizip, und nicht mit der Giesskanne.

@ David Stampfli:

Sozial heisst nicht immer und überall umverteilen!

Ist es für Sie sozial, wenn beidseitig berufstätige Eltern keine Vergünstigungen erhalten, während eine Familie, bei der kein Elternteil erwerbstätig ist, die Kinder fast zum Nulltarif in die Kita schicken kann? Ich denke eher nicht.

Kitas sind in erster Linie dafür da, um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu ermöglichen. Das heutige System schafft genau die falschen Anreize, da es sich für gewisse Elternteile finanziell kaum mehr lohnt zu arbeiten, weil die Kita-Plätze für ihre Kinder derart teuer sind.

Ich bin auch für soziale Sicherheit. Dafür haben wir ein progressives Steuersystem und ein sehr gut ausgebautes Sozialsystem.

Wenn Kita-Tarife, Krankenkassenprämien usw. auch noch einkommensabhängig erhoben werden, lohnt es sich immer weniger zu arbeiten. Teilweise gibt es heute schon negative Arbeitsanreize, das ist weder sozial noch volkswirtschaftlich sinnvoll.

Wie stellen Sie sich die Umsetzung eigentlich logistisch vor? Da niemand abschätzen könnte wie viele Eltern ihren Anspruch durchsetzen, müssten massive Überkapazitäten geschaffen und finanziert werden, da die Stadt sonst verklagt würde.

@ David Stampfli:

Der Vergleich mit der öffentlichen Schule hinkt. Die meisten Eltern in meiner Kita sind nicht Gutverdienende, die sich den Luxus leisten, ihr Kind in einer privaten Kita zu betreuen. Es sind normale Mittelstandsfamilien, die in Ermangelung eines kostengünstigen Kitaplatzes trotzdem und oft bis an die Grenze des möglichen, darauf bestehen, Familie und Beruf zu vereinbaren.

Es fehlen nicht generell eine Anzahl Kita-Plätze, es fehlen Kita-Plätze, die für die ganze Bevölkerungsschicht, auch für den Mittelstand, zahlbar sind. Kämen nun via Betreuungsgutscheine alle diese Eltern in privaten Kitas ohne grossen Aufwand endlich auch zu einem zahlbaren Kitaplatz, wäre mit dem ohnehin beschlossenen Platzausbau für 2009 ein Schritt in Richtung Problemlösung getan.

Unter Einbindung sämtlicher schon jetzt bestehender Strukturen könnte dann planungssicher, sich am tatsächlichen Bedarf orientierend und finanziell abschätzbar ausgebaut werden. Auch meine Frage:wie wollen Sie Ihre Initiative logistisch umsetzen? Ich als Betriebsleiterin bringe schwer und oft nicht alle die verschiedenen Pensen und Ansprüche bezüglich Tage zusammen. Aber: Anspruch wäre dann Anspruch, oder?

@ Michael Köpfli:

Es ist einfach eine unglaubliche Unterstellung, dass viele Menschen gar nicht mehr zu arbeiten brauchen, weil der Staat ihnen alles finanziert. Eine andere Partei bemüht hier oft den Begriff “Schmarotzer”. Ich bin sehr erstaunt, dass Sie auch in diese Richtung argumentieren.

So wie Sie sich das vorstellen, würden auch gutbetuchte Doppelverdiener Unterstützung bekommen, ein arbeitsloses Elternpaar aber nicht. Das wäre nicht sozial!

Die kapitalistische Gesellschaft ist in höchstem Mass ungerecht. Wir versuchen sie so gut wie möglich fairer zu machen – in allen Bereichen!

@ Marion Baldesberger:

Sie sehen ja selber ein, dass es zu wenig (bezahlbare) Kita-Plätze der Stadt gibt. Die SP-Initiative versucht das zu ändern. Die Betreuungsgutschriften funktionieren nur, wenn es genügend Kita-Plätze gibt. Uns geht es nicht in erster Linie um die Art der Finanzierung, sondern darum, dass jedes Kind eine Kita-Platz haben kann.

Umsetzung: Die Zahlen sind ja bekannt. Vorläufig muss die Stadt dafür genügend Plätze zur Verfügung stellen. Falls mehr nötig sind, kann man das immer noch nachholen. Es muss einfach der Wille da sein. Die Initiative sorgt nun für die gesetzliche Grundlage.

Lieber David Stampfli

Ich bitte Sie doch, mich richtig zu zitieren, sonst macht diese Diskussion wenig Sinn.

Ich habe mit keinem Wort von Schmarotzern gesprochen – ganz im Gegenteil, ich habe mich für ein gut ausgebautes Sozialsystem ausgesprochen, nur soll eben an der richtigen Stelle angesetzt werden.

Heute lohnt es sich für viele Familien finanziell kaum mehr, wenn beide Eltern arbeiten (u.a. auch weil für sie die Kita-Tarife extrem hoch sind). Ich rede da auch nicht von “Gutbetuchten”, sondern von durchschnittlich verdienenden Berner Familien.

Es darf einfach nicht sein, das der Staat Arbeitsanreize zunichte macht. Vielmehr sollen Kitas ja gerade die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ermöglichen.

Zur Umsetzung: Die Zahlen sind eben nicht bekannt! Viele Eltern, welche Ihre Kinder heute privat betreuen (in einer Kita oder bei einer Tagesmutter) werden vom Rechtsanspruch Gebrauch machen. Es gibt auch Unternehmen, welche private Plätze für ihre Angestellten einkaufen, bei einer Annahme der Initiative hätten sie keinen Grund mehr dazu.

Und noch einmal: Es gibt private Kitas die heute nicht ausgelastet sind, mit einem Gutscheinsystem würde man ihnen dies ermöglichen!

@ Michael Köpfli:

Sie müssen sich schon genauer ausdrücken, wenn Sie nicht wollen, dass Sie missverstanden werden. Ich lese, Sie seien für ein gut ausgebautes Sozialsystem – und dann machen Sie sofort wieder Einschränkungen. Deshalb habe ich meine Zweifel.

Wieso “lohnt” es sich nicht für ein Elternpaar, wenn beide arbeiten gehen? Das hat nichts mit den Kitas zu tun. So horrend sind die Beiträge nicht. Eine wichtiger Grund dafür ist die so genannte Heiratsstrafe bei den Steuern. Das macht viel aus!

Würde diese abgeschafft, könnten beide Elternteile eher Teilzeit arbeiten. Und dabei könnten sie, wenn sie wollten, ihre Kinder auch einmal in eine Kita geben. Die Anzahl ist bekannt: Über 700 in der Stadt Bern.

Je mehr man verdient, umso mehr muss man in einer städtischen Kita bezahlen. Damit haben die gutbetuchten Eltern keinen Anreiz, die Kita zu wechseln.

Firmen-Kitas sind sehr lobenswert, müssen sich aber auch an die Qualitätsvorgaben halten. Wer sein Kind bei der Arbeit in eine Kita abgeben kann, wird kaum noch eine andere Kita suchen, auch wenn diese etwas billiger sein sollte.

Solange nicht alle Kinder einen Kita-Platz haben können, subventioniert der Staat sicher nicht private Kitas.

@ David Stampfli:

Bei einer Annahme der Initiative würden definitiv über 700 Plätze fehlen. Heute lassen keineswegs nur Reiche ihre Kinder privat betreuen. Es sind auch viele Eltern, die ihre Kinder wegen den fehlenden öffentlichen Plätzen privat betreuen lassen und welche bei der Stadt durchaus weniger bezahlen müssten. Was werden die wohl tun, wenn ein Rechtsanspruch auf eine öffentliche Kita kommt? Und was wären die Folgen für die privaten Kita-Betreiber?

Dazu habe ich übrigens nicht von Firmen-Kitas gesprochen, sondern von Unternehmen, welche Plätze bei privaten Kitas in der Stadt Bern einkaufen um ihren Angestellten die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu ermöglichen.

Diese Unternehmen werden dies bei einer Annahme der Kita-Initiative nicht mehr tun, da Ihre Angestellten ja “problemlos” ihren Rechtsanspruch durchsetzen können. Macht unter dem Strich mehr Kosten und mehr fehlende Plätze für für die Stadt.

PS: Die “Heiratsstrafe” gehört selbstverständlich angeschafft!

@ Michael Köpfli:

Natürlich geben nicht nur reiche Eltern ihre Kinder in Kitas! Und genau die Leute, die weniger Mittel haben, müssen bei den städtischen Kitas weniger bezahlen.

Wie ich schon angetönt habe: zuerst braucht es einmal die dringend notwendigen Plätze, dann kann man weiterschauen, wie es mit der Nachfrage aussieht. Es ist nicht die Aufgabe der Stadt, den Bestand privater Kitas am Leben zu erhalten. Es ist die Aufgabe der Stadt, genügend Plätze zur Verfügung zu stellen.

Ich bezweifle, dass die Unternehmen diese Angebote abbauen würden. Das würde sich für das Image des Unternehmens sehr schlecht machen. Dazu ist es auch für das Unternehmen von Vorteil, wenn die Angestellten alles örtlich beisammen haben.

Nur weil die Stadt nun mehr Kita-Plätze organisiert, werden nicht gleich alle anderen Strukturen zusammenbrechen. Das ist pure Schwarzmalerei!

@ David Stampfli:

Die Zahlen sind bekannt – ja, jetzt sind sie es noch, auch wenn ich als Kita-Betreiberin weiss, bei wie vielen Kitas sich Eltern einschreiben und sich dann nicht von der Warteliste streichen lassen, wenn sie einen Platz gefunden haben.

Es fehlen zahlbare Kita-Plätze für Eltern, die zwecks Vereinbarkeit von Familie und Beruf tatsächlich einen Kita-Platz suchen und für die alle, die in nicht subventionierten Kitas den Vollkostenansatz zahlen müssen.

Sie suggerieren, mit Ihrer Initiative das Problem zu lösen, schaffen aber gerade mit der Initiative neue Anspruchsgruppen und erhöhen somit die Wartenden auf eine Zahl, die zu beziffern ich mich lieber nicht getraue – in meinen Augen betreiben Sie Augenwischerei.

Sie haben meine Frage, wie Sie das logistisch umsetzen wollen, nicht beantwortet, wohl nicht zufällig. Ich kann Ihnen als Fachperson, die sich tagtäglich mit der Schwierigkeit von Platzierungen beschäftigt verraten. Jede Kita müsste einen dauernden Leerbestand von mindestens 35 Prozent haben, dass jederzeit auf Ansprüche reagiert werden könnte. Das zu bezahlen übersteigt die immer von den Initianten genannte Zahl von 4 Millionen Franken bei weitem.

@ Marion Baldesberger

Ich verstehe ja schon, dass Sie als Direktbetroffene mit einigen Problemen zu kämpfen haben. Trotzdem ist es der falsche Ansatz, deswegen die Initiative und die Bemühungen der Stadt schlechtzureden.

Sie wollen einfach nicht wahrhaben, dass wir die Kitas als soziale Instituition betrachten, bei welcher Bessererverdiende mehr bezahlen müssen. Aber das ist nun einmal das Konzept.

Wir suggerieren nicht, dass wir alle Probleme lösen. Aber wir schaffen eine verbesserte Situation. Die Betreuungsgutscheine ändern erstmal gar nichts. Diese wären nur interessant als Art der Finanzierung, wenn alle Kinder das Recht auf einen Kita-Platz hätten.

Das mit den 35 Prozent stimmt überhaupt nicht! Das ist nun Angstmacherei! Lesen Sie doch einfach einmal unsere Initiative genau durch. Dort steht u. a., dass das Kind den Kita-Platz innerhalb von maixmal einem halben Jahr erhält und nicht sofort. Somit bleibt genug Zeit, um mehr Kita-Plätze einzurichten.

Sie gehen davon aus, dass es dann einen Riesenansturm geben wird. Die Eltern werden nicht nur weil es günstiger werden könnte, ihr Kind sofort in eine Kita geben wollen. Es hängt nicht alles vom Geld ab!

@ David Stampfli:

Zuerst eine Klarstellung: Als Kita-Betreiberin, die zwei Drittel ihrer Plätze an vorbildliche Firmen und Verwaltungen vergibt, habe ich keine Probleme und bin auch nicht die erste, die bei einer Annahme der Initiative solche haben wird. Ich äussere mich als Fachperson, die den Kita-Betrieb sehr gut kennt.

Sie haben mir die Frage, wie Sie das logistisch umsetzen wollen, immer noch nicht beantwortet. Ich möche nicht nur ein Nein zu dem, was ich in den Raum gestellt habe, sondern eine klare Anleitung, wie sich die Initianten die Umsetzung vorstellen. Bekomme ich keine Antwort, gehe ich davon aus, dass Sie es sich nicht überlegt haben. Also, wie stellen Sie sich das vor?

Ich gebe Ihnen noch ein paar Vorgaben aus der Praxis: Dienstag, Mittwoch und Donnerstag sind als Betreuungstage in allen Kitas bedeutend stärker gefragt als die Randtage Montag und Freitag. Die meisten Eltern haben in der Regel nicht die Möglichkeit, selber zu entscheiden, wann sie arbeiten und dementsprechend ihr Kind betreuen lassen wollen.

Anspruch ist aber Anspruch, der Initativtext macht keine Einschränkung. Ich betone: ohne Überkapazität von 35 Prozent ist die SP-Initiative nicht durchsetzbar.

@ Peter W. Hirsiger, Alexander Feuz, Michael Köpfli:

Betreuungsgutscheine funktionieren dann, wenn das Betreuungsangebot schon gut ausgebaut ist. Bern hat nach Zürich die grösste Dichte an Krippenplätzen – auch dank der Initative Privater, die mit der Anstossfinazierung des Bundes zusammen das Wagnis einer Krippengründung gewagt haben. Nächstes Jahr entstehen zusätzliche 60 Kitaplätze.

In Bern würde dank der verglichen mit anderen Städten guten Situation die Einführung der Betreuungsgutscheine funktionieren. Ich lese aus Ihren Antworten heraus, dass sie die Lösung mit Betreuungsgutscheinen einen gangbaren Weg fänden.

Nun, am Montag kennen wir die neue Zusammensetzung des Stadtrates, darum hier die Aufforderung: Ueberlassen Sie das Kita-Thema nicht der SP.

Ich habe in meinem Bekanntenkreis Leute, die mit zu den 5000 Unterschreibenden gehört haben, und nachdem ich auf die Konsequenzen der Initiative hingewiesen haben, dies heute nicht mehr tun würden. Aber, es braucht eine konkrete gute Alternative, wenn verhindert werden soll, dass der Rechtsanspruch kommt.

Konkret: Es braucht andere Parteien, die sich des Themas annehmen, gleich präsent wie die SP dies tut!

Liebe Frau Baldesberger

Die Kita-Thematik ist das erste Thema mit welchem wir nach unserer Gründung im letzten Sommer an die Öffentlichkeit getreten sind. Ebenfalls ist es eines unserer Wahlkampfthemen.

Falls wir unser Ziel erreichen und morgen in den Berner Stadtrat einziehen, werden wir uns diesem Thema selbstverständlich annehmen.

Wir hoffen sehr, dass nun auch andere Parteien dieses Thema aufgreifen, erste Ansätze sind ja bereits erkennbar.

@ Michael Köpfli

Kleiner Hinweis: Die SP hat sich schon viel länger mit der Thematik Kita befasst, als es Ihre Partei überhaupt gibt. Als Höhepunkt haben wir die Kita-Initiative eingereicht.

Von Ihrer Seite ist bis jetzt nichts Konstruktives gekommen, ausser die vorläufig nicht sinnvolle Forderung nach Betreuungsgutscheinen. Dass andere Parteien das Thema nicht aufgriffen haben, erstaunt mich nicht weiter. Auf bürgerlicher Seite fehlt die Sensibilität für das Kita-Problem.

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